Islamabad (dpa) - Der einzige christliche Minister in der pakistanischen Regierung ist am Mittwoch wegen seiner Kritik am umstrittenen Blasphemie-Gesetz ermordet worden. Nach Angaben der Polizei wurde Shahbaz Bhatti von mindestens zehn Kugeln getroffen, als er am Mittwoch sein Haus in Islamabad verließ.

Islamisten hatten ihn zuvor mit dem Tode bedroht. Das von ihm kritisierte Gesetz sieht schwerste Strafen bei der Schändung des Korans und des Namens des Propheten Mohammed vor. Der Mord wurde international scharf verurteilt.

Nach Angaben aus Geheimdienstkreisen hinterließen die Attentäter ein Flugblatt am Tatort, bevor sie die Flucht ergriffen. Demnach bekannte sich eine Taliban-Gruppe aus der ostpakistanischen Provinz Punjab (Tehrik Taliban Fidayan Mohammad Punjab) zu der Tat. In dem Flugblatt drohten sie damit, all jene zu töten, die Änderungen am Blasphemiegesetz forderten.

Erst im vergangenen Monat hatte Bhatti in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa gefordert, den weit verbreiteten Missbrauch zu stoppen, der mit dem Gesetz getrieben werde. Muslimische Extremisten benutzten es als Werkzeug, «um ihre persönlichen Rechnungen zu begleichen». Minderheiten würden unter dem Gesetz leiden. Wegen seiner Kritik erhalte er Todesdrohungen. Er sei aber bereit, für seine Haltung zu sterben.

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari und sein Kabinett verurteilten den Mord. Auch die deutsche Politik reagierte mit Entsetzen auf den Tod des Minderheiten-Ministers. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Anschlag, Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich tief bestürzt über die tödlichen Schüsse.

US-Präsident Barack Obama sprach von einem «schrecklichen Gewaltakt». Bhatti habe für die universellen Rechte gekämpft, die Pakistaner, Amerikaner und Menschen rund um den Globus in Ehren hielten. US-Außenministerin Hillary Clinton warnte vor wachsender Intoleranz gegenüber religiösen Minderheiten. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die «tragische Ermordung».

Der Vatikan sprach von einem «Akt beispielloser Gewalt». Die Tat zeige, wie berechtigt die beharrlichen Aufrufe von Papst Benedikt XVI. für die Religionsfreiheit und gegen die Gewalt gegen Christen seien, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. «Bhatti war der erste Katholik, der ein solches Amt bekleidet hat.» Der Papst hatte den pakistanischen Minister im vergangenen Jahr empfangen.