Indian Wells (dpa) - Das Tennis-Dilemma hat für Roger Federer einen Namen: Novak Djokovic. Durch die dritte Niederlage in Serie gegen den in diesem Jahr noch unbezwungenen Serben verpasste der einstige Filzball-Primus nicht nur das Finale beim Masters in Indian Wells.

Der Schweizer rutscht trotz einer respektablen Jahresbilanz von 18:3 Siegen auf den dritten Rang der Weltrangliste ab. In diesen «Niederungen» hatte er sich bis auf einige Wochen im Sommer und Herbst 2010 letztmals vor sieben Jahren bewegt.

Zu Trübsal oder gar Karriere-Zweifeln gibt es für den 29-Jährigen auch nach dem 3:6, 6:3, 2:6 in der Wüste von Kalifornien keinen Anlass. «Sorgen machen würde ich mir, wenn ich nicht gut spielen würde oder denken würde, ich habe die Waffen, das Spiel, die Einstellung oder die Kondition nicht», sagte Federer.

Nur Djokovic gibt dem Rekord-Grand-Slam-Sieger derzeit unlösbare Rätsel auf. Wie schon bei den Australian Open und in Dubai war er für Federer in einem hochklassigen Spiel zu stark. Eine kurze Schwächephase seines Kontrahenten im dritten Satz nutzte Djokovic zu elf Punkten in Serie - und dann zum Sieg. «Ich hatte meine Chancen, konnte sie aber nicht nutzen. Er hat halt im Moment sehr viel Selbstvertrauen und konnte dann davonziehen», sagte der Indian-Wells-Sieger der Jahre 2004 bis 2006.

In der Karrierebilanz führt Federer im direkten Duell mit dem Serben noch mit 13:8. Doch Djokovic hat derzeit den Dreh raus: «Meine Einstellung in den Spielen gegen Roger hat sich geändert. Ich habe mehr Selbstvertrauen, wenn ich auf den Platz gehe. Früher habe ich nur gehofft, gut spielen zu können.»

Im am Montag erscheinenden neuen Ranking wird Djokovic unabhängig vom Ausgang des Endspiels am Sonntag gegen die Nummer 1 Rafael Nadal erstmals seit Oktober 2010 wieder auf den zweiten Platz klettern. Bis zum Indian-Wells-Finale hatte er 19 Spiele in Serie gewonnen, die letzte Niederlage gab es beim ATP-Finale 2010 in London - gegen Federer. «Ich habe in Australien gut gespielt, in Dubai auch und hier auch. Nur weil ich zwischendurch eine Niederlage kassiert habe, heißt dies nicht, dass ich nicht gut spiele», sagte dieser.

In Miami will Federer in der kommenden Woche den nächsten Anlauf nehmen. Er setzt aber mehr auf die Sandplatz-Saison, um den Serben wieder attackieren zu können. Nadal ist in der Weltrangliste ohnehin weit enteilt. Ein weiterer Absturz steht für Federer angesichts des weiter kommoden Vorsprungs auf die Verfolger Robin Söderling und Andy Murray derzeit nicht zu befürchten.