Die Bundesregierung lehnt eine direkte Beteiligung deutscher Soldaten an der Operation ab und hatte sich im Sicherheitsrat der Stimme enthalten. Nach dem Sondergipfel in Paris sicherte Bundeskanzlerin Angela Merkel aber erneut indirekte Unterstützung zu. Die Bundeswehr werde die Nato in Afghanistan beim Einsatz der Awacs-Aufklärungsflüge stärker entlasten.

Sarkozy hatte Gaddafi nach dem Gipfel ultimativ aufgefordert, einzulenken. In der Gipfelerklärung hieß es, Gaddafi müsse die Gewalt einstellen, seine Streitkräfte aus eroberten Gebieten zurückziehen und humanitäre Hilfe ermöglichen. Noch während der Gipfel tagte, drangen französische und britische Kampfjets und Aufklärer in den libyschen Luftraum ein und überflogen auch Bengasi.

Die libysche Führung wies Berichte über Angriffe ihrer Truppen auf Bengasi zurück. Außenminister Mussa Kussa sagte in Tripolis: «Wir halten uns vollständig an die von uns verkündete einseitige Waffenruhe und das Ende aller Militäroperationen.»

Bei der Nato ist der französische Führungsanspruch bei der Operation umstritten. Das Bündnis bereitete sich weiter auf eine militärische Aktion vor, allerdings gab es zunächst keinen Konsens für ein gemeinsames Eingreifen.

Nach Angaben von Diplomaten gab es noch erhebliche Differenzen über die Frage, wer bei der «Koalition der Willigen» tatsächlich dabei sein wird. Paris poche darauf, die Koordination des Einsatzes selbst zu übernehmen und der Nato keine sichtbare Rolle zu geben, hieß es. Frankreich befürchte, dass das Nato-Bündnis unter Führung der USA in der arabischen Welt einen schlechten Ruf habe.

Die Truppen Gaddafis hatten nach Augenzeugenberichten noch kurz vor Gipfelbeginn Bengasi mit Artillerie und Panzergranaten beschossen. Arabischen Medien zufolge drangen Regierungseinheiten in die südlichen Vorstädte ein. Auch Kampfflugzeuge seien über das Stadtgebiet geflogen. Ein Militärjet wurde abgeschossen - unklar war, ob er den Rebellen oder den Regierungstruppen gehörte.

Nach Angaben des Vorsitzenden der provisorischen Gegenregierung in Bengasi, Mustafa Abdul Dschalil, gab es viele Opfer. In den Krankenhäusern seien viele Verletzte, sagte er dem Sender Al-Dschasira.