Potsdam (dpa) - Sein Wunderkind gehört wieder ihm: Der Potsdamer Modedesigner Wolfgang Joop (66) ist nach eigenen Angaben alleiniger Gesellschafter des angeschlagenen Modelabels.

Er habe die Kaufsumme für die Anteile des Investorenpaares Hans-Joachim und Gisa Sander auf ein Notaranderkonto in Berlin für sie bereitgestellt, teilte Joop am Sonntag mit. «Den Rest sollen unsere Anwälte machen.» Diese wollen die Arbeit offensichtlich schnell erledigen: Für diesen Montag sei die Unterzeichnung der Verträge geplant, sagte Hans-Joachim Sander der Nachrichtenagentur dpa.

Gemeinsam mit seiner Frau war er bis vor kurzem Mehrheitseigner von Wunderkind. Nach langen und heftigen Auseinandersetzungen mit Joop hatten die Kunstsammler und Wella-Erben aus Hessen jedoch ihren 65-Prozent-Anteil Anfang des Jahres treuhänderisch an Finanzinvestor Clemens Vedder verkauft. Dieser hatte 2,95 Millionen Euro von Joop gefordert, der ein Vorkaufsrecht hat. Diese Summe stellte der Designer nun bereit.

Dass er sein Luxuslabel zurückkaufen will, hatte Joop in den vergangenen Wochen mehrfach betont - zuletzt am Freitag. Bis dahin war jedoch noch kein Geld geflossen. Nun ist der Deal offiziell, wenngleich die Tinte unter den Verträgen noch fehlt. Auch Sander geht davon aus, dass alles geklärt sei: «Das ist nach dem langen Hin und Her eine gute Nachricht», meinte er.

Der Unternehmer und seine Frau waren 2007 bei Wunderkind eingestiegen. «Meine Frau wollte Wolfgang bei der Verwirklichung seines Traums unterstützen», beschrieb Sander. Doch die Gesellschafter konnten sich nicht auf eine Unternehmensstrategie einigen. «Im Herbst 2010 haben wir jedoch gesehen, dass es keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit gibt», sagte er.

Nach Umbau und Entlassungen liegt es nun an Joop, ob er Wunderkind retten kann. Er ist fest entschlossen: «Wohl überlegt werde ich nun den adäquatesten Investor wählen, der mit mir die Vision meiner exquisiten Marke teilt und realisiert», betonte er. Sein persönlicher Sprecher Edwin Lemberg bezeichnete die Verhandlungen mit drei Interessenten als sehr erfreulich. Im April solle eine Entscheidung fallen. «Dann müssen ja die Arbeiten an der Kollektion beginnen», sagte er. Denn bei den Herbstschauen in Paris soll Wunderkind wieder dabei sein.

Um sich auf diese Aufgaben konzentrieren zu können, hat sich der Designer vom Wäschehersteller Schiesser («Feinripp») getrennt. Seitens des baden-württembergischen Unternehmens klingt dies etwas anders - aber letztlich trennte man sich einvernehmlich. Vor Kurzem hatte der Designer noch von einem mehrjährigen Engagement als Berater und Kreativdirektor gesprochen. Seine Beratung für die Warenhauskette Galeria Kaufhof setzt Joop jedoch zunächst fort: «Der Vertrag läuft noch», sagte Lemberg.