Berlin (dpa) - Zirkus, Tollhaus, Irrenanstalt: Die verblüffenden Trainerwechsel werden auch während der Länderspielpause die Fußball-Bundesliga beschäftigen. Jüngstes Beispiel ist Robin Dutt.

Trotz Vertrags bis zum 30. Juni 2012 verlässt er den SC Freiburg zum Saisonende und steht vor einem Engagement bei Bayer Leverkusen, dem der Abschied von Jupp Heynckes zum FC Bayern München droht.

Die Emotionen kochen hoch - auch unter den Übungsleitern selbst. Denn die jüngsten Schlagzeilen beschädigen nach Ansicht vieler Trainer und Funktionäre das Ansehen des Premiumprodukts Bundesliga. Franz Beckenbauer, der Ehrenpräsident des FC Bayern, spricht von einem «Zirkus». Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des deutschen Rekordmeisters, kritisiert: «Was da im Moment passiert, macht in der Außendarstellung keinen guten Eindruck.» Und Heynckes hatte bereits nach dem Aus mit Bayer in der Europa League gegen den FC Villarreal gesagt: «Die Liga ist ein Tollhaus.»

Am 27. Spieltag geschah Denkwürdiges in der Bundesliga: In Felix Magath (VfL Wolfsburg), Michael Oenning (Hamburger SV) und Seppo Eichkorn (FC Schalke 04) übernahmen gleich drei Fußball-Lehrer neue Aufgaben. Magath kehrte nur kurz nach seinem Abschied vom Revierclub unter der Woche sensationell zu den «Wölfen» zurück. Diese hatten nach einem enttäuschenden Saisonverlauf auch Manager Dieter Hoeneß freigestellt.

Bei Schalke übernimmt wiederum Ralf Rangnick. Oenning war beim HSV auf Armin Veh gefolgt und hatte gleich einen fulminanten 6:2-Erfolg gegen den 1. FC Köln gefeiert. Die Norddeutschen hatten zudem den Vertrag mit Vorstandschef Bernd Hoffmann vorzeitig aufgelöst. Der Abgang von Louis van Gaal beim FC Bayern ist schon länger besiegelt, die Münchner liebäugeln mit einer Verpflichtung von Heynckes. Der Bayer-Coach will sich Anfang dieser Woche zu seiner Zukunft äußern.

Heftige Kritik am grassierenden «Hire and fire»-Virus übt auch Hans-Joachim Watzke, der Vorstandschef von Spitzenreiter Borussia Dortmund. «Ich hoffe, dass dieser Imageschaden für die Bundesliga nur kurzfristig ist», sagte er dem Nachrichtenmagazin «Focus» in einem Interview. «Es ist höchste Zeit, dass sich wieder alle auf den Fußball konzentrieren und nicht darauf, welcher Trainer wo rausgeflogen ist und welcher Vorstand heute wieder seinen Schreibtisch räumen musste. Es reicht jetzt!»

Diese turbulente Saison hält Watzke für außergewöhnlich. «Ich kann mich nicht erinnern, dass es eine solche Situation in der Bundesliga mit so vielen Entlassungen, Querelen und Indiskretionen jemals gegeben hat», meinte der BVB-Boss.