Paris (dpa) - Ein neuer Kriegsschauplatz vor Europas Toren: Franzosen, Briten und Amerikaner bombardieren seit Samstag militärische Ziele des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi. So schnell hat die internationale Gemeinschaft sich schon lange nicht mehr zu einem Militäreinsatz entschlossen.

Druck gemacht hat vor allem Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Noch während ein internationaler Gipfel in Paris tagte, waren die ersten Kampfjets in der Luft. Es ist ein neuer Versuch, einen verhassten Despoten loszuwerden. Deutschland sieht das mit großer Skepsis.

Gaddafi hat in den gut vier Jahrzehnten, in denen er über Libyen herrscht, schon so einiges überstanden - auch einen US-Luftangriff 1986 auf seine Residenz, bei dem angeblich auch seine Adoptivtochter getötet wurde. Die Schäden hat er nie reparieren lassen und immer wieder seinen Besuchern vorgeführt, als bewiesen sie seine wundersame Unverwundbarkeit.

Manche Diplomaten reiben sich noch die Augen, verwundert darüber, wie schnell alles gekommen ist. Die UN, die sonst für ihre langwierigen Prozeduren verschrien ist, hatte sich in kürzester Zeit auf eine Resolution geeinigt, die es in sich hat. Plötzlich war nicht mehr nur von der relativ harmlos klingenden Flugverbotszone die Rede, sondern von «allen nötigen Mitteln». Das schließt einen handfesten Militäreinsatz ein.

Dabei hat die Genese dieser Resolution fast einen grotesken Charakter: Der französische Intellektuelle und begnadete Selbstdarsteller Bernard Henry Lévy war es, der den libyschen Rebellen mit einem Anruf aus der Wüste einen Termin mit Sarkozy im Elysée verschaffte. Anschließend überstürzten sich die Ereignisse: Frankreich erkannte überraschend den libyschen Nationalrat diplomatisch an, Außenminister Alain Juppé reiste zum UN-Sicherheitsrat nach New York, die Gegner eines Einsatzes begnügten sich am Ende mit einer Stimmenthaltung.

Deutschland hatte die Wahl, für den Einsatz zu stimmen, ohne aber Soldaten zu schicken - das hätte jedoch als scheinheilig ausgelegt werden können. Eine Gegenstimme hätte das deutsch-französische Verhältnis arg belastet. So blieb nur die Enthaltung und das Angebot der indirekten Unterstützung. Deutschland will nun anbieten, die Nato in Afghanistan beim Awacs-Einsatz zu entlasten. Damit werden dort Kräfte für Libyen frei. Zudem dürfen auch die US-Stützpunkte in Deutschland genutzt werden.

Die Teilnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Pariser Gipfel hatte vor allem symbolischen Charakter: Sie wollte den Eindruck vermeiden, dass Deutschland kneife. Außerdem mussten die Franzosen gebauchpinselt werden, die in der deutschen Stimmenthaltung einen Affront gegen die deutsch-französische Partnerschaft sahen.