Doha (dpa) - Am Nachthimmel von Doha sind zwei deutsche Kometen aufgetaucht. Stefan Bradl aus Zahling und Sandro Cortese aus Berkheim sorgten beim Auftakt der Motorrad-Weltmeisterschaft 2011 für deutsche Sternstunden.

Bradl siegte in der Klasse Moto2 in überzeugender Manier. Cortese holte sich in der Kategorie bis 125 Kubikzentimeter hinter dem Spanier Nicolas Terol Platz zwei. Damit krönte er seinen 100. Grand-Prix-Start. Da auch Jonas Folger als Fünfter in der Achtelliterklasse für Furore sorgte, war ein perfektes Rennsport-Wochenende aus deutscher Sicht komplett.

Den erwartet schwachen Auftritt hatte der neunmalige Weltmeister Valentino Rossi auf der italienischen Traditionsmarke Ducati. Der Italiener kam in der «Königsklasse» MotoGP mit großem Rückstand auf Sieger Casey Stoner aus Australien (Honda) auf Platz sieben ins Ziel. Titelverteidiger Jorge Lorenzo (Spanien/Yamaha) dagegen überzeugte als Zweiter.

Als bei der Siegerehrung die deutsche Hymne erklang, wurde Bradl die Bedeutung des Augenblicks erst so recht bewusst. Er schüttelte immer wieder verlegen seinen Kopf. «Dass es so leicht geht, hätte ich nicht gedacht», suchte Bradl nach Worten. Als erster Deutscher nach Ralf Waldmann im Jahr 2000 hatte er die Pole Position erkämpft und war dann ziemlich nervös. «Der Start war perfekt und dann musste ich mich nur noch konzentrieren und meinen Job machen. Ich habe es versucht wie im Training. Die Geschwindigkeit war gut und ich habe nur noch die Rundenzeiten gesehen», erzählte der 21-Jährige, der zum vierten Mal in seiner Karriere einen Grand Prix gewann.

Wie ein Schweizer Uhrwerk spulte Bradl die Distanz herunter. Sieben Runden lang schaffte er Rundenzeiten, die sich nur um bis zu drei Zehntelsekunden unterschieden. «Das Wichtigste ist die Konzentration. Das ist nicht so einfach und so ein Rennen ist verdammt lang», berichtete der Zahlinger, der dem Fahrwerkshersteller Kalex aus der Nähe von Augsburg den ersten Sieg bescherte. Dass der Start-Ziel-Erfolg derart überlegen ausfiel, macht Hoffnung für die nächsten Rennen.

«Ich bin überglücklich mit Platz zwei», schwärmte auch Jubilar Cortese, dessen Umstieg ins sächsische Racing-Germany-Team sich sofort bezahlt machte. «Ich bin wie ausgewechselt», lobte Cortese sein Umfeld, dass ihm als Nummer-1-Pilot alle Freiheiten lässt. Nachdem er in der Vergangenheit mehrfach in entscheidenden Phasen nervlich versagte, machte er diesmal nahezu alles richtig. «Ich musste mit Kopf fahren. Ich durfte nicht auf Biegen und Brechen hinter Terol herstürmen, das hätte nichts gebracht. Das habe ich schon sehr früh gesehen. Es galt also, den zweiten Platz abzusichern», erzählte der 21-Jährige.

Nur in der Anfangsphase ließ er sich eine Runde lang auf Positionskämpfe mit seinen Kontrahenten ein. Dann setzte er sich an die Spitze der Gruppe und fuhr seinen Gegnern drei Runden vor dem Ende davon. «Jetzt weiß ich auch, dass es eine sehr gute Saison werden kann», meinte Cortese.