Berlin (dpa) - Zwei Kommissionen sollen im Auftrag von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Sicherheit der Atomkraft in Deutschland grundlegend klären.

Eines der Gremien, die dem Umweltministerium zugeordnete Reaktor-Sicherheitskommission, soll die technischen Fragen bei der anstehenden Überprüfung der Kernkraftwerke klären, erläuterte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der fünf Länder mit Atommeilern. Die zweite, neu zu bildende Ethik-Kommission solle sich vor allem mit gesellschaftsrelevanten Fragen der Atomkraft befassen.

Dieser «Rat der Weisen» wird vom früheren Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) und dem Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, geleitet. Dem Rat gehören weitere Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und der Kirchen an.

Die Opposition warf Merkel vor, sich um Antworten zu drücken. Sie wolle Zeit bis nach den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am kommenden Sonntag gewinnen. Entgegen der Ankündigungen sei zudem ein beschleunigter Ökoenergieausbau nicht besprochen worden.

Merkel deutete an, es könne nach den drei Monaten des Moratoriums ein neues Atomgesetz geben. «Ich schließe nicht aus, dass die Überprüfungen Auswirkungen auf die Laufzeiten haben können.» Am 15. April will Merkel in einem weiteren Spitzentreffen mit allen 16 Ministerpräsidenten beraten, wie der stockende Netzausbau beschleunigt werden kann, um etwa Windstrom von der Küste in den Süden zu transportieren. Zudem soll es dann darum gehen, wie das Zeitalter der erneuerbaren Energien schneller erreicht werden kann.

Trotz bekannter Mängel bei den vor 1980 ans Netz gegangenen sieben Meilern hatte die Regierung im Herbst die Laufzeiten um durchschnittlich zwölf Jahre verlängert. Nach der Atomkatastrophe in Japan machte die Regierung eine Kehrtwende in ihrer Atompolitik. Seit vergangener Woche stehen acht der 17 deutschen Meiler vorerst still.

Bei der Überprüfung gehe es auch um Fragen der generellen Auslegung der Atomkraftwerke, etwa gegen Cyberangriffe auf die Computersysteme der Anlagen, sagte Merkel. Man müsse einen Arbeitsplan für alle Kernkraftwerke mit neuen Prüfaufgaben erstellen. «Es wird gezielt an neuen Fragen gearbeitet», betonte Merkel. Bis zum 15. Juni will Merkel durch die Reaktor-Sicherheitskommission klären lassen, welche Konsequenzen aus Fukushima zu ziehen sind. Erst dann wird entschieden, welche Meiler weiter betrieben werden dürfen.