Berlin (dpa) - Selbst als die Nummer 1 kann sich Weltmeister Sebastian Vettel aus Expertensicht vorerst nicht mit Rekordchampion Michael Schumacher messen.

«Was man auch immer als Gradmesser heranzieht, seien es die sportlichen Erfolge oder das Charisma, da spielt ein Sebastian Vettel noch nicht in der Liga von Michael Schumacher. Auch bei den Vermarktungserlösen und der Vermarktbarkeit ist er da sicher noch lange nicht angekommen», sagte Marcel Cordes, Vorstand der Sponsoringberatung Sport+Markt, der Nachrichtenagentur dpa vor dem Auftaktrennen der Formel 1 am 27. März.

Auf der einen Seite sei es «ein Traum», dass die Rennfahrer-Schmiede Deutschland in Vettel den jüngsten Formel-1-Champion der Geschichte hervorgebracht habe. «Andererseits haben wir nicht feststellen können, dass deutsche Unternehmen in größerem Maße in die Formel 1 eingestiegen sind aufgrund des Sieges von Sebastian Vettel», erklärte Cordes. Dazu seien zunächst nachhaltige Erfolge über Jahre hinweg erforderlich. «Es hat sicher größere Wirkung, wenn er auch in der neuen Saison wieder vorne fahren kann und es kein Strohfeuer war», meinte der Vermarktungsfachmann.

Für einen rasanten Boom auf dem deutschen Markt könne besonders ein WM-Fight zwischen dem 23 Jahre alten Jungstar aus Heppenheim und dem 42 Jahre alten Kerpener sorgen. «Wenn sich mal - im deutschen Idealfall - Schumacher und Vettel um den Formel-1-Sieg balgen, wird es sicher einen enormen Aufschwung geben», meinte Cordes.

Darauf dürften vor allem auch die TV-Rechteinhaber RTL und Sky hoffen, die einst auf dem Höhepunkt des «Schumi»-Hypes Traumquoten einfuhren. «Schumacher hat es geschafft, viele nicht Motorsport-affine Fans vor den Fernseher zu locken, die den Hero siegen sehen wollen. Diese Gruppe ist sicher noch nicht wieder aktiviert. Sicher werden auch deshalb noch nicht die Quotenspitzen von damals erreichbar sein», sagte Cordes.

Sollte Vettel allerdings erneut um den Titel fahren und Kumpel Schumacher seinen bei den letzten Tests gezeigten Aufwärtstrend fortsetzen, werde auch der TV-Markt profitieren. «Wenn es sich in die richtige Richtung entwickelt, sind durchaus in dieser Saison Quotensteigerungen von zehn Prozent zu erwarten», befand Cordes.