Heidelberg/Brüssel (dpa) - Bei der milliardenschweren Übernahme von Kabel BW sind jetzt die Kartellbehörden am Zug. Der US-Medienkonzern Liberty Global will das Heidelberger Unternehmen für knapp 3,2 Milliarden Euro vom schwedischen Finanzinvestor EQT erwerben.

Zuständig ist nach Angaben des Bundeskartellamtes zunächst die EU-Kommission. Wann die Unternehmen den Deal in Brüssel anmelden, bleibt ihnen überlassen. Bisher sei noch nichts eingegangen, sagte eine Sprecherin von Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia am Dienstag.

Den Amerikanern gehört bereits der zweitgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber Unity Media. Das Unternehmen versorgt vor allem Kunden in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Hinter Liberty Global steckt der US-Medientycoon John Malone. Er verspricht sich eine satte Rendite von seinem Engagement in Baden-Württemberg. Dies sei schließlich eine der «wohlhabendsten Regionen in Europa», wie Liberty Global am Montag bei der Bekanntgabe des Deals in einer Mitteilung betonte. In der zweiten Jahreshälfte soll der Verkauf abgeschlossen sein.

Die deutschen Verbraucher würden von der Übernahme profitieren, versicherte Liberty-Global-Chef Mike Fries. Die Kabelnetzbetreiber bauen ihre Netze immer mehr zu Datenautobahnen aus. Neben Fernsehen, Festnetz-Telefon und Internet bietet Kabel BW seit kurzem auch Mobilfunk an.

Kabel BW ist der größte Kabelnetzbetreiber in Baden-Württemberg mit nach eigenen Angaben inzwischen 2,4 Millionen Kunden. Bislang war Kabel BW im Besitz des Finanzinvestors EQT, der seine Tochter eigentlich an die Börse bringen wollte. Zu dem Umdenken dürften die jüngsten Turbulenzen an den weltweiten Finanzmärkten gesorgt haben, namentlich die Unruhen im Nahen Osten und die Krise in Japan.