Paris (dpa) - Theo Zwanziger war kaum als neuer «Außenminister» des deutschen Fußballs im Amt, als er seine erste richtungsweisende Regierungserklärung abgab.

«Wir sind Europäer. Und es geht doch darum: Wer vertritt die europäischen Interessen besser?», sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach seiner Wahl per Akklamation in das Exekutivkomitee des Weltverbandes FIFA.

Natürlich wurde der 65 Jahre alte Jurist aus Altendiez in Paris nach dem Kongress der Europäischen Fußball-Union (UEFA) auch gefragt, warum er denn der einzige Kandidat war, wie er sich nach der Wahl jetzt so fühle und was er alles besser oder anders machen wolle als Regierungsmitglied der zuletzt so viel gescholtenen FIFA.

Doch eigentlich wollten alle nur wissen: Steht der DFB weiter unumstößlich hinter dem seit 13 Jahren amtierenden FIFA-Chef Joseph Blatter? Hat Mohamed bin Hammam, der Blatter vom FIFA-Thron stürzen und als erster Asiate dort Platz nehmen will, eine reelle Chance beim FIFA-Kongress am 1. Juni in Zürich? Die deutsche Stimme darf Blatter immerhin schon einmal auf der Habenseite verbuchen.

Sowohl der 75 Jahre alte Amtsinhaber aus der Schweiz als auch sein 14 Jahre jüngerer Herausforderer aus Katar waren zum Wahlkampf nach Paris gereist. Würde man in dieser Woche eine Meinungsumfrage in Auftrag geben mit der Frage: «Wenn am Sonntag FIFA-Präsidentenwahl wäre, wen würden Sie wählen?», müsste sich Bin Hammam mit einem schmalen Stück des Tortendiagramms zufriedengeben. Aber der umtriebige Chef der Asiatischen Fußball-Konföderation hat noch zehn Wochen Zeit, für seine Ziele und seine Reformen zu werben.

Die Tage von Paris nutzte er für Einzelgespräche. Kein Geheimnis ist, dass der 61-Jährige offen bei Platini um Unterstützung der europäischen Verbände warb. Der UEFA-Chef hielt sich nach seiner beifallumtosten Wiederwahl mit Prognosen allerdings zurück.

«Es ist nicht schlecht, dass es zwei Kandidaten gibt, das ist immer gut für die Demokratie, wenn neue Dinge vorgeschlagen werden», sagte der 55-Jährige. Daraus allerdings eine Unterstützung des Herausforderers abzuleiten, wäre der falsche Schluss. «Wir werden uns jetzt Gedanken machen, wie wir damit umgehen», kündigte Platini an.