Düsseldorf (dpa) - Rekordergebnis bei dem von einer Übernahme bedrohten Essener Baukonzern Hochtief: Im vergangenen Jahr lag der Gewinn unter dem Strich bei 288 Millionen Euro, nach 191,7 Millionen Euro im Vorjahr.

Der Umsatz kletterte um elf Prozent auf 20,16 Milliarden Euro. Der Auftragseingang lag mit 29,63 Milliarden Euro deutlich über dem Vorjahreswert von 22,47 Milliarden Euro. Von dem Rekordgewinn sollen auch die Aktionäre profitieren: Das Management will die Dividende deutlich um 0,50 Euro auf 2 Euro je Aktie aufstocken.

Das Ergebnis vor Steuern stieg um 26,8 Prozent auf 756,6 Millionen Euro. Im laufenden Jahr soll das Vorsteuerergebnis auf etwa eine Milliarde Euro und der Konzerngewinn auf 600 Millionen Euro steigen.

Für eine Überraschung sorgte der zweitgrößte Hochtief-Aktionär, die Katar-Holding. Nach dem Einstieg mit zunächst 9,1 Prozent im Dezember stockte Katar seinen Anteil auf über zehn Prozent auf. Das bestätigte Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter am Mittwoch bei der Bilanzvorlage in Düsseldorf.

Genaue Zahlen nannte der Hochtief-Chef nicht. Beobachter gehen nun davon aus, dass Katar einen Sitz in dem bei der Hauptversammlung am 12. Mai neu zu besetzenden Hochtief-Aufsichtsrat beansprucht. Die Tagesordnung für das Aktionärstreffen soll in der kommenden Woche verschickt werden.

«Es gibt keinen Rechtsanspruch, aber es ist wahrscheinlich, dass Katar wenigstens einen Anteilseigner-Vertreter in den Aufsichtsrat bringen will», sagte Rechtsanwalt Alexander Thomas von der Münchner Kanzlei Mayrhofer und Partner. Ungewöhnlich wäre es, wenn ACS alle Sitze der Anteilseigner-Seite besetzen würde. Alle acht Posten auf der Kapitalseite des Hochtief-Aufsichtsrats werden bei der bevorstehenden Hauptversammlung neu besetzt. Wie viele Posten ACS davon beansprucht, ist noch unklar.

Auch der spanische Angreifer ACS hat sein Aktienpaket nach dem Überschreiten der wichtigen 30-Prozent-Hürde in den vergangenen Wochen weiter aufgestockt. Nach Informationen des Hochtief-Chefs soll das Aktienpaket der Spanier bei mittlerweile über 39 Prozent liegen. Lütkestratkötter berief sich dabei auf einen Bericht nach einem Analystengespräch. Eine ACS-Sprecherin wollte diese Angabe am Mittwoch auf Anfrage nicht bestätigen. ACS hatte seinen Anteil zuletzt auf über 36 Prozent beziffert. Die Spanier hatten angekündigt, bis zum Sommer die Mehrheit an dem Essener Konzern übernehmen zu wollen.