Tripolis/Berlin (dpa) - Die internationale Militärallianz kann auch nach dem Ausschalten der libyschen Luftwaffe das Blutvergießen unter Zivilisten nicht verhindern.

Mit Panzern schossen Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi nach Medienberichten auf Ziele in der drittgrößten libyschen Stadt Misurata. Die Rebellen machten dagegen nach eigenen Angaben an der Front bei Adschdabija Boden gut. Die Kampfjets aus Frankreich, Großbritannien und den USA weitete ihre Einsatzzone nach Süden aus.

Frankreich äußerte Unverständnis über die Haltung Deutschlands in der Libyen-Frage. Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte vor dem Bundestag erneut die deutsche Enthaltung bei der Libyen-Resolution des UN-Sicherheitsrats. Laut Umfrage unterstützen zwei Drittel der Deutschen die Bundesregierung in ihrer Weigerung, am Militäreinsatz teilzunehmen. Nach tagelangem Widerstand der Türkei soll nun die Nato das Kommando bei dem Einsatz zur Durchsetzung eines Flugverbotes in Libyen übernehmen. Ankaras Außenminister Ahmet Davutoglu habe erklärt, Bedingungen der Türkei für diesen Einsatz seien nun erfüllt, berichtete das türkische Staatsfernsehen TRT am Donnerstagabend.

In Brüssel kamen die EU-Staats- und Regierungschefs zusammen, um über die Lage in Libyen zu beraten. Die EU verschärfte mehrfach wirtschaftliche Sanktionen gegen das Gaddafi-Regime. In der Frage des militärischen Vorgehens sind sich die EU-Staaten nicht einig. Am Abend wollte auch der Weltsicherheitsrat in New York erneut die Situation in Libyen beraten. Der britische Außenminister William Hague fürchtet, dass die brutalen Übergriffe auf Zivilisten in Libyen weitergehen.

In Misurata schossen Gaddafis Einheiten aus Panzern auf das Viertel um das Zentralkrankenhaus. Das berichtete der Sender Al-Arabija unter Berufung auf einen Klinikarzt. Die internationalen Luftschläge der vergangenen Tage hätten die Panzer-Einheiten Gaddafis nicht ausreichend geschwächt. Auch aus der Hauptstadt Tripolis wurden weitere Kämpfe gemeldet.

Die internationale Militärallianz weitete ihre Luftangriffe auf den Süden des Landes aus. Nach Angaben aus libyschen Sicherheitskreisen bombardierten die Kampfjets unter anderem mehrere Ziele in der Stadt Sebha, rund 1000 Kilometer südlich von Tripolis. Auch ein Militärflughafen in Al-Dschufra, 800 Kilometer südlich der Hauptstadt, geriet unter Beschuss.

Zudem wurden in der Nacht zum Donnerstag mehrere Ziele östlich der Hauptstadt Tripolis unter Beschuss genommen. Augenzeugen sahen Flammen auf einem Militärstützpunkt im Vorort Tadschura. Die libyschen Staatsmedien meldeten, bei den Angriffen der Allianz in Tadschura seien auch zivile Ziele bombardiert worden. Das Fernsehen zeigte Bilder von Leichen, die zum Teil verkohlt waren.