Berlin (dpa) - Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) weiß selbst nicht so genau, ob er sein 13 Jahre altes Auto mit Biosprit betanken kann. Am Dienstag stellt er nach dem «Benzingipfel» die für Millionen Autofahrer entscheidende Frage: «Verträgt mein Motor E10 oder verträgt er es nicht?»

Nachdem er an Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) vorbei das Spitzentreffen von Politik und Wirtschaft einberufen hatte, muss er Röttgen bei dem Gang vor die Presse weitgehend den Vortritt lassen. Und der CDU-Vize Röttgen lässt keinen Zweifel: Der Biosprit bleibt und er will dafür kämpfen.

Hinter verschlossenen Türen wurde zuvor kontrovers diskutiert. Von teils skurrilen Diskussionen ist die Rede. So habe ausgerechnet der Mineralölwirtschaftsverband eine Umfrage präsentiert, wonach 57 Prozent der Autofahrer E10 ablehne.

Über einen Plan B, wenn E10 nun trotz mehr Infos nicht angenommen wird, wollte Röttgen im Anschluss nicht sprechen, er holt stattdessen die große Keule raus und listet die Folge der Alternativen auf, wenn man weiter einseitig auf Öl setze. Ein Gaddafi als Lieferant, der in Libyen sein eigenes Volk bombardiere. «Das Bioethanol braucht den Vergleich mit Gaddafis Öl nicht zu scheuen», sagt er.

Und er fragt, ob denn schon die schlimmen Bilder der Ölpest im Golf von Mexiko von 2010 vergessen seien? Brüderle betont lediglich, die Beteiligten seien sich einig, dass alle nun besser informieren müssen. Er selbst hatte zuvor betont, eine «Atempause» könne hilfreich seien, um erstmal die Motorenverträglichkeit besser zu klären. Ein Wackeln bei E10 war mit Röttgen aber nicht zu machen.

Schon an Tankstellen soll nun ein Blick in die 23 Seiten lange Liste der Deutschen-Automobil-Treuhand (DAT) möglich sein, wo alle E10-verträgliche Modelle aufgeführt sind. Und die Automobilhersteller wollen haften, wenn der Motor E10 doch nicht verträgt. Lässt sich das Projekt noch ins Positive fahren? Aus Teilnehmerkreisen heißt es: Wenn alle sich an das halten, was vereinbart ist.

Entscheidend sind die nächsten Tage. Bisher ist E10 weit hinter den Erwartungen zurück: Nur knapp 40 Prozent des verkauften Super-Kraftstoffs sind bisher E10 statt der erwarteten 90 Prozent.