Berlin (dpa) - Nach massivem Druck aus der Partei schließt Außenminister Guido Westerwelle seinen Rückzug als FDP-Chef nicht mehr aus. Es gebe bislang aber «weder eine Entscheidung noch eine Vorentscheidung», sagte ein Vertrauter Westerwelles am Freitagabend der Nachrichtenagentur dpa.

Der Parteichef werde eine so wichtige Frage nicht auf seiner Asien-Reise entscheiden. «Da gehen doch einigen die Gäule durch», ließ Westerwelle erklären. Der Außenminister wird am Sonntag von einer Reise nach China und Japan zurückerwartet.

Außenminister und Vize-Kanzler will Westerwelle aber unter allen Umständen bleiben, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen erfuhr. Die Nachfolge als Parteichef dürfte im Fall seines Rückzuges auf Gesundheitsminister Philipp Rösler oder Generalsekretär Christian Lindner zulaufen.

Sollten die beiden nicht antreten, will Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger den Hut in den Ring werfen. Der Vertreterin des linksliberalen FDP-Flügels werden aber kaum Chancen eingeräumt. Eine Vorentscheidung dürfte bei der Präsidiumssitzung am Montag fallen.

Aus dem Umfeld des Gesundheitsministers wurde dementiert, dass bereits die Würfel für eine Kandidatur Röslers gefallen seien. Solche Absprachen von Landesverbänden seien nicht bekannt, hieß es in Reaktion auf einen Bericht des «Kölner Stadt-Anzeigers».

NRW-Landeschef Daniel Bahr sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und arbeiten alle gemeinsam an einer Teamlösung.» Er fügte hinzu: «Die Mannschaft muss uns die nächsten Jahre erfolgreich führen. Da ist Hektik nicht angebracht.»

Die FDP-Bundestagfraktion unter Birgit Homburger will vermeiden, dass die Arbeit der Koalition unter dem Machtkampf in der FDP leidet. Deshalb wird auch hier auf eine rasche Lösung des Personalstreits gedrängt. Die seit Monaten schwelende Führungskrise war nach der FDP-Niederlage bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz eskaliert.