München (dpa) - Der Lack ist ab beim «Klassiker». Bayern München kann sich in einer titellosen Saison nur noch um Schadensbegrenzung in Form eines Champions-League-Platzes bemühen. Und bei Borussia Mönchengladbach sind die Lichter im Abstiegskampf fast schon aus.

Die Bayern können keine Rücksicht auf den großen Titelrivalen der 70er-Jahre nehmen. «Unsere Tabellensituation erlaubt nichts anderes als einen Sieg gegen die Borussia», betonte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge vor dem «alten Bundesliga-Klassiker» an diesem Samstag.

Der 28. Spieltag soll zum Bayern-Spieltag werden. Der zwei Punkte besser platzierte Champions-League-Konkurrent Hannover 96 muss beim Spitzenreiter Borussia Dortmund antreten. Gewinnen die Niedersachsen nicht, würden die Münchner am Samstag bei einem eigenen Heimsieg auf Platz drei vorrücken, der das erklärte Minimalziel ist.

«Der Champions-League-Qualifikation widmen wir alles», kündigte Kapitän Philipp Lahm für den Endspurt an. Nationalspieler Thomas Müller versprach noch «sieben Spiele Vollgas». Um vielleicht sogar noch den um sieben Zähler enteilten Tabellenzweiten Bayer Leverkusen einzuholen, muss dem Rekordmeister endlich eine Siegesserie gelingen.

Solange die Bayern auf Platz vier herumdümpeln, müssen sie sich auch mit möglichen Konsequenzen einer Strafrunde in der Europa League auseinandersetzen. Robben, Ribéry, Lahm - kein Bayern-Star hat «Bock» auf eine Europa-Tour zweiter Klasse.

Die Zukunftssorgen der Gladbacher sind erheblich größer. An eine Wende im Abstiegskampf ausgerechnet in München glaubt ernsthaft wohl niemand. «Wir haben nichts zu verlieren. München ist die derzeit vielleicht beste Mannschaft», sagte Trainer Lucien Favre und mahnte: «Wir müssen mit viel Intelligenz gegen Franck Ribéry und Arjen Robben verteidigen.» Klassiker hin oder her, auch in den Glanzjahren gab es für die Borussia praktisch nichts zu holen in München: Ein einziger Sieg mit Stefan Effenberg als Anführer am 14. Oktober 1995 (2:1) steht zu Buche - dazu 32 Niederlagen und neun Unentschieden.

Favre ließ offen, ob Belgiens zuletzt patzender Nationalkeeper Logan Bailly oder Ersatzmann Christofer Heimeroth im Tor stehen wird. Der verletzte Torjäger Igor de Camargo fällt definitiv aus. Bei den Bayern muss Trainer Louis van Gaal wieder einmal die Abwehr umbauen, weil Daniel van Buyten mit einem Muskelfaserriss vom Länderspiel mit Belgien nach München zurückkehrte.