Berlin (dpa) - Der Geduldsfaden der Partei ist gerissen. Nahezu stündlich erreichten die FDP-Führung am Freitag neue Nachrichten über einen drohenden Aufstand der Parteibasis gegen Guido Westerwelle.

«Es brechen gerade alle Dämme», berichteten Spitzenleute der Liberalen am Ende der schwärzesten Parteiwoche seit Jahren.

Die wahrscheinlichste Lösung zeichnete sich im Verlauf des Tages im Umrissen ab: Guido Westerwelle kündigt im FDP-Präsidium am Montag seinen Rückzug vom Parteivorsitz an. Er bleibt Außenminister und Vize-Kanzler. Für die Nachfolge stehen Generalsekretär Christian Lindner und Gesundheitsminister Philipp Rösler bereit. Können sich beide nicht einigen, will Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger antreten, um die Parteispitze zu einer Erneuerung zu zwingen.

Vieles spricht dafür, dass diese demonstrative Drohung mit einer Kampfkandidatur die Führungsdebatte in der FDP dramatisch befeuert hat. Die linksliberale bayerische FDP-Landesvorsitzende steht in der FDP einerseits für hohe Glaubwürdigkeit - genau das fehlt der Westerwelle-FDP derzeit nach allen Umfragen ganz besonders.

Zum anderen ist sie aber für den besonders marktliberalen und bodenständigen Teil der Partei kaum wählbar. «Ein Himmelfahrtskommando wäre das», hört man aus diesen FDP-Kreisen zu einer solchen Übergangslösung. Für eine dauerhafte Nachfolge läuft also alles auf Lindner oder Rösler zu.

Der studierte Philosoph Lindner ist inzwischen der Kopf der Partei. Erst jüngst wieder hat er mit seinem Vorpreschen in Sachen Abschaltung aller alten AKW die politische Richtung vorgegeben. Mit seinen 32 Jahren und kaum Erfahrungen im Berliner Regierungsbetrieb fühlt er sich aber noch für zu jung, um jetzt schon Markenzeichen für eine «Merkel-Lindner-Koalition» zu sein.

Regierungserfahrung bringt vor allem der Hannoveraner Rösler mit. Der 38-Jährige Mediziner und Vater von kleinen Zwillingen hat bislang betont wenig Ehrgeiz für einen Spitzenposten in der Bundespartei gezeigt. Er musste im Herbst 2009 von Westerwelle auf den Schleudersitz Gesundheitsminister getragen werden. Inzwischen soll er aber - wurde am Freitag aus verschiedenen Quellen bestätigt - bereit zum Sprung auf den Parteivorsitz sein.