Schon öfter wackelte der Stuhl von FDP-Chef Westerwelle. Doch dieses Mal wird es ernst. Wichtige Landesfürsten wollen ihn beim Parteitag nicht mehr zum Vorsitzenden küren. Schon bei der Präsidiumssitzung am Montag könnte der Showdown kommen.

Stuttgart/Berlin (dpa) - FDP-Chef Guido Westerwelle gehen nach dem Wahlfiasko in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz immer mehr Truppen von der Fahne. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa zur Haltung der liberalen Landesverbände vor der Präsidiumssitzung am Montag. Speerspitze der Kritik ist der Süden. Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen drängen Westerwelle zum Rückzug. Für alternativlos hält ihn nur Cornelia Pieper, Wahlverliererin aus Sachsen-Anhalt. Die FDP Nordrhein-Westfalens als größte Landesverband und Heimat von Hoffnungsträger Christian Lindner wie von Westerwelle mahnt zur Geduld.

- In der BAYERN-FDP meint eine sehr breite Mehrheit, dass es nicht ausreicht, nur ein paar Vizes auszutauschen. Alle Positionen müssten auf den Prüfstand, auch die des Vorsitzenden. Landeschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: «Keiner sollte an seinem Posten kleben.» Landesvize Renate Will forderte Westerwelles Rücktritt - und schlug Leutheusser als Nachfolgerin vor. Die sagt aber nicht, ob sie kandidieren würde.

- BADEN-WÜRTTEMBERGS FDP versucht zu verhindern, dass Westerwelle die aus dem Südwesten stammende Bundestagsfraktionschefin zum «Bauernopfer» macht: «Wer an Birgit Homburger rüttelt, bekommt es mit Partei und Fraktion der Südwest-FDP zu tun», drohte Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Selbst die sonst loyale Homburger stellt den Parteichef zur Disposition. Rülke fordert, Westerwelle müsse am Montag im Präsidium «die richtigen Schlussfolgerungen» ziehen.

- Als Konsequenz aus der Wahl in RHEINLAND-PFALZ zieht sich Rainer Brüderle vom Landesvorsitz zurück - als Bundesminister will er sich aber nicht opfern lassen. Dafür hat er Rückendeckung: «Wir wollen aber, dass Rainer Brüderle Wirtschaftsminister bleibt», sagt Landesschatzmeister Jürgen Creutzmann - obwohl Brüderles Atom-Beichte vor Industriekapitänen die Niederlage mitverursacht hat. Angeblich sucht Brüderle nach Verbündeten für einen Sturz des Parteichefs.

- HESSENS FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn gilt schon länger als scharfer Westerwelle-Kritiker. Die Landespartei hatte jüngst ihr schlechtestes Kommunalwahlergebnis eingefahren und macht dafür den Bund verantwortlich. Hahn strebt in der Bundes-FDP nach oben - ein Vizeposten würde ihm wohl gefallen. Für Fraktionschef Florian Rentsch ist auf dem Parteitag im Mai «ein programmatischer und personeller Neuanfang» nötig.

- Im mächtigsten Landesverband NORDRHEIN-WESTFALEN heißt es: Gemach, Gemach. «Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und arbeiten alle gemeinsam an einer Teamlösung», sagt Landeschef Daniel Bahr. Der Berliner Gesundheitsstaatssekretär gehört mit Generalsekretär Lindner und Rösler zur Gruppe der Reformer, von denen Westerwelles künftige Rolle abhängen dürfte. In Düsseldorf heißt es auch: «Natürlich ist man im Heimatverband von Guido Westerwelle loyaler als etwa in Baden-Württemberg.»