New York (dpa) - Der amerikanische Film hat einen Titan verloren: Meisterregisseur Sidney Lumet ist tot. Er erlag am Samstag im Alter von 86 Jahren in New York den Folgen einer Lymphknotenerkrankung, wie seine Stieftochter Leslie Gimbel mitteilte.

Von Lumet stammen die Klassiker «Die zwölf Geschworenen», «Serpico», «Mord im Orient-Express», «Hundstage» und «Network». Der Name Lumet reichte, um Stars wie Al Pacino, Anna Magnani, Ingrid Bergman, Marlon Brando, Richard Burton, Katharine Hepburn und Michael Jackson an Bord zu holen. Woody Allen würdigte seinen Kollegen in einem Nachruf als den «Inbegriff des New Yorker Filmemachers».

«Er schien immun zu sein gegen das Alter», schrieb die «New York Times» in ihrem Nachruf auf den Filmemacher, der noch 2007 für seinen Thriller «Tödliche Entscheidung - Before The Devil Knows You're Dead» gefeiert worden war. Im Jahr davor hatte er als die Umstände eines großen Mafiaprozesses in dem Film «Find Me Guilty» beleuchtet.

Lumets beste Filme befassen sich mit den Folgen von Vorurteilen, Korruption und Betrug. Besonders faszinierten ihn Verstöße gegen das Gesetz in den Reihen der Polizei. Sein auf wahren Begebenheiten basierender Film «Serpico» löste umwälzende Reformen im System der New Yorker Ordnungshüter aus.

Zum Welterfolg hatte ihm schon sein Regiedebüt «Die zwölf Geschworenen» verholfen. Henry Fonda in der Hauptrolle schafft es hier als Geschworener, der Jury die Augen zu öffnen und statt des zuvor fast sicheren Todesurteils für den Angeklagten einen Freispruch durchzusetzen.

Lumet wurde fünf Mal für einen Oscar nominiert, gewann die goldene Statuette aber nie. Als ihm Hollywood 2005 schließlich die höchste Ehre in Form eines Lebenswerk-Oscars zuteil werden ließ, gab er zu: «Verdammt, ich wollte ihn und ich finde, ich habe ihn auch verdient». Außerdem wurden ihm ein Goldener Bär, der Pasinetti-Preis in Venedig, mehrere Golden Globes und gut zwei Dutzend weiterer Auszeichnungen überreicht.

Dass ein Film zum Nachdenken anregen soll, daran hatte Lumet sein Leben lang festgehalten. «Er soll Zuschauer anregen, verschiedene Facetten des eigenen Gewissens genau zu betrachten, sich Gedanken zu machen und das Gehirn stimulieren», schrieb der Regisseur einmal.