Bochum/Rüsselsheim (dpa) - In den festgefahrenen Gesprächen über den Abbau von mehr als 1200 Stellen im Opel-Werk Bochum setzt der Betriebsrat auf ein Arbeitszeitmodell nach VW-Beispiel.

«Opel möchte bis Ende des Jahres den Personalabbau abschließen. Wir sagen, wir brauchen einen längeren Zeitraum. Deshalb setzen wir auf Arbeitszeitverkürzung», sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel am Sonntag der dpa. Opel sieht diesen Vorschlag allerdings kritisch: «Eine Arbeitszeitverkürzung wäre keine Lösung auf Dauer», sagte ein Sprecher der Adam Opel AG in Rüsselsheim. Die Einigungsversuche gehen Ende der Woche weiter.

Der Betriebsrat hat errechnet, dass mit einer Verkürzung der Arbeitszeit von 35 auf 30 Stunden pro Woche und einem teilweisen Lohnausgleich 700 Arbeitsplätze länger erhalten werden könnten. Darüber hatte die «WirtschaftsWoche» vorab berichtet. Einenkel verweist darauf, dass andere Autowerke - beispielsweise auch Opel in Rüsselsheim - eine Arbeitszeitverkürzung bereits praktiziert hätten. «Da steckt eine ganze Menge Hoffnung drin», sagte er der dpa.

Bei einer Arbeitszeitverkürzung mit teilweisem Lohnausgleich müssten beide Seiten einen Beitrag leisten: Der Arbeitgeber übernehme die Hälfte des Lohnverlustes, erläuterte der Betriebsratschef. Die Arbeitnehmer hätten weniger Geld in der Tasche als bei der vollen Arbeitszeit. Die Unternehmensleitung habe nach dem Scheitern der Verhandlungen im März grundsätzlich ihre Gesprächsbereitschaft bekundet. Opel habe nach den Aussagen des Managements aber nur Geld für einen Stellenabbau, nicht für eine Arbeitszeitverkürzung mit teilweisem Lohnausgleich, sagte Einenkel.

«Das muss ich entschieden zurückweisen, dass es nur Geld gibt, um Stellen abzubauen», betonte der Opel-Sprecher. «Opel hat in Bochum kräftig investiert, in die Produktion eines neuen Großraumfahrzeugs. Dieses Fahrzeug wird Bochum exklusiv bauen.» Dabei handele es sich um den Nachfolger des Zafira, der Ende 2011 auf den Markt kommen werde. Zur Modernisierung des Werkes seien 175 Millionen Euro insbesondere in neue Produktionsanlagen investiert worden. «Die Menge der Fahrzeuge, die in Bochum produziert werden, erfordert weniger Arbeitsplätze als es derzeit noch sind», sagte der Sprecher.

Die Unternehmensleitung will laut Betriebsrat den Abbau von insgesamt 1800 Arbeitsplätzen in Bochum bis zum Jahresende durchziehen. Nachdem rund 600 Mitarbeiter Angebote zum Ausscheiden aus dem Werk angenommen hätten, gehe es nun um den Abbau von 1255 Stellen. Der Betriebsrat wolle Kündigungen verhindern, die laut Einenkel bereits angekündigt waren. Einenkel hofft, dass die Opel-Pläne überarbeitet werden. So prüfe das Unternehmen unter anderem, ob die Getriebeproduktion in Bochum doch über 2011 hinaus fortgeführt werden könnte.

Die Gespräche zum Stellenabbau würden Ende der Woche fortgesetzt, erklärte Einenkel. Der Opel-Sprecher zeigte sich zuversichtlich, dass eine «gute Lösung» erzielt werden kann.