Sepang (dpa) - Mit einer Kusshand via TV an Partnerin Patricia und die drei Kinder löste Nick Heidfeld sein Versprechen sofort ein. «Ich habe versprochen, dass ich meine Familie als erstes grüße», begründete der Lotus-Renault-Pilot seine Geste nach dem ersten Podestplatz seit zwei langen Jahren.

Mit dem überraschenden dritten Rang beim Großen Preis von Malaysia hatte der häufig belächelte Formel-1-Pilot es allen Kritikern eindrucksvoll gezeigt. Das größte Kompliment kam vom dreifachen Champion Niki Lauda. «Die wirkliche Überraschung für mich war der Nick. Dem kann man wirklich nur gratulieren», adelte der Altmeister aus Österreich Heidfeld. Eric Boullier, Teamchef und Geschäftsführer von Lotus Renault, sagte: «Ich freue mich natürlich sehr für Nick, aber auch für das ganze Team.» Sieger Sebastian Vettel beglückwünschte seinen Landsmann ebenfalls herzlich: «Ich freue mich für Nick. Er hat es verdient nach der vielen Kritik, die er einstecken musste.»

Dabei hatte Heidfeld Vettel zumindest kurz nach Rennbeginn in Sepang einen kleinen Schrecken eingejagt. Der 33 Jahre alte Mönchengladbacher schoss nach einem Katapultstart von Position sechs auf zwei vor und blieb bis zu seinem ersten Reifenwechsel härtester Verfolger des Red-Bull-Rivalen.

«Ich kämpfte plötzlich mit Sebastian, aber er war etwas schneller», urteilte «Quick Nick», der seinem Spitznamen alle Ehre machte. Vettel reagierte auf diesen unerwarteten Widersacher ebenfalls überrascht: «Ich hab mich etwas gewundert, dass plötzlich Nick in meinem Spiegel groß auftauchte.»

Nur ein etwas missglückter Boxenstopp, der Heidfeld einige Plätze kostete, brachte ihn zunächst aus den Podiumsrängen. Dass er später von Fernando Alonsos Flügelschaden und Lewis Hamiltons Reifenproblem profitierte sowie Mark Webbers wütende Schlussattacken bravourös abwehren und damit Platz drei retten konnte, war der gerechte Lohn für eine tadellose und couragierte Leistung. «Ich hätte damit angesichts Startposition sechs nicht gerechnet», gab Heidfeld zu.

Netter Nebenaspekt von Heidfelds insgesamt 13. Podestrang im 174. Grand Prix - wobei ein Sieg als Krönung immer noch fehlt: Vor rund zwei Jahren, am 5. April 2009, hatte er ebenfalls in Malaysia im Regenchaos als Zweiter seine zuvor letzte Top-3-Platzierung gefeiert.

Für Heidfeld war der starke Auftritt auch eine Genugtuung nach dem zwölften Platz beim Auftakt in Australien, bei dem Teamkollege Witali Petrow mit dem ersten Podestplatz eines Russen voll im Fokus gestanden hatte. Heidfeld hatte eher Häme kassiert, obwohl sein Lotus Renault nach einem unverschuldeten Crash in der ersten Runde stark beschädigt und nur noch eingeschränkt fahrbar gewesen war.