Sepang (dpa) - Mercedes GP kommt einfach nicht auf Touren. Nach dem Doppelausfall-Debakel beim Saisonauftakt in Melbourne folgte in Malaysia die nächste, wenn auch nicht so desaströse Enttäuschung. Michael Schumacher und sein Teamkollege Nico Rosberg redeten nach dem Reinfall Klartext.

«Man muss ganz klar sagen, dass wir 'ne ganze Ecke zu langsam sind», bilanzierte der Rekordweltmeister nach seinem mageren neunten Rang beim zweiten Formel-1-Saisonlauf. «Das war kein gutes Wochenende für uns», klagte Rosberg, der überrundet Zwölfter wurde. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug wollte ebenfalls «nichts beschönigen», auch wenn er auf eine Reihe positiver Aspekte hinwies. Das Team habe einen «ganzen Sack voll Aufgaben, die man normalerweise nicht bei einem Rennen hat, gelöst». So hätten die Heckflügel und das Energierückgewinnungssystem KERS in Sepang problemlos funktioniert.

Mit beiden neuen Schlüsselelementen hatten die Schwaben beim Saisonstart und in der Qualifikation in Sepang (da nur der Heckflügel) noch große Schwierigkeiten. «Mit den Reifen haben wir es auch gemanagt, so dass die Zuverlässigkeit da war», so Haug weiter.

Bei Mercedes, als Motorpartner verschiedener Rennställe einst Serien-Weltmeister, ist zwangsläufig Bescheidenheit eingekehrt. Dass Red Bull mit dem souveränen Sepang-Sieger Sebastian Vettel und McLaren-Mercedes in einer anderen Liga fahren, ist klar. Aber auch Ferrari, das nach dem tollen Testfinale in Barcelona eingeholt schien, und der Vorjahresfünfte Lotus Renault sind wohl auf längere Sicht außer Reichweite.

«Wir wissen, wo wir dran sind», sagte Schumacher, ohne sich Illusionen zu machen. «Wir sind nicht da, wo wir sein wollen. Das ist definitiv Fakt.» Für den siebenmaligen Champion ist es besonders bitter, dass nach seinem bescheidenen Lehrjahr auch 2011 kein Ruck nach vorne zu erkennen ist. Während der Routinier wieder so langsam an seine alte WM-Form anknüpfen kann, bleibt Mercedes GP den Nachweis schuldig, mittelfristig um den Titel kämpfen zu können. «Wir müssen sehen, dass wir unser Auto hinbekommen», betonte Haug.

Doch steckt das Team in einem Dilemma. Probleme lösen bedeutet auch kaum Zeit für weitere Entwicklungen zu haben. Haug: «Wir müssen eine doppelte Aufgabe lösen.»

Der gegenüber Red Bull und Ferrari um rund 100 Millionen kleinere Etat - das Mercedes-Budget wird auf 180 Millionen geschätzt - und die kleinere Ingenieursmannschaft erweisen sich immer mehr als kaum kompensierbarer Mangel. Die Silberpfeil-Strategen setzen nun auch auf schwäbische Tugenden. Selbst der Rheinländer Schumacher forderte mit Verweis auf das Lebensmotto im Ländle süffisant: «Schaffe, schaffe, Häusle bauen.» Allerdings muss es bei Mercedes weiter heißen.