München (dpa) - Schon kurz nach der Entlassung von Louis van Gaal und der Verkündung von Andries Jonker als auserkorenem Bayern-Retter erfolgte die Generalabrechnung durch Präsident Uli Hoeneß.

«Wir haben uns Probleme gemacht, die völlig unnötig waren und den ganzen Verein total durcheinandergebracht haben. Das sollte sich Louis van Gaal mal überlegen. Er hat unseren Rat nicht angenommen und Samstag war das Fass übergelaufen», machte der Präsident seinem Ärger mit verkniffener Miene Luft.

Eine Basis gab es schon lange nicht mehr zwischen den beiden Fußball-Alpha-Tieren, das wurde durch Hoeneß-Aussagen wieder mehr als deutlich. «Erfolg ist etwas, aber Spaß machen ist das andere. Und der Spaß hat in diesem Verein seit langem gefehlt. Nicht nur bei uns, sondern auch bei den Spielern. Und dass die Spieler hinter dem Trainer standen, das ist ein Märchen», sagte der Präsident.

Jetzt ist das «Feierbiest» gefeuert - und Cheftrainer-Nobody Jonker soll wie einst Jupp Heynckes den FC Bayern vor der Europa League bewahren. Fünf Spiele bleiben dem beförderten Assistenten des am Wochenende beurlaubten van Gaal, um den Münchner Fußball-Rekordmeister noch in die Champions League zu führen und und das «Horrorszenario» vom Verlierer-Cup zu verhindern.

«Ich erwarte eine Explosion. Ich erwarte, dass die Zwangsjacke, in der die Spieler seit Monaten stecken, abgestreift wird», sagte Hoeneß mit ernster Miene an der Säbener Straße. Jonker wird sich und seine Arbeit am Montag in einer Pressekonferenz vorstellen.

Wie vor zwei Jahren, als Heynckes in ebenfalls fünf Spielen mit 13 von 15 Punkten nach dem Ende des Experiments mit Jürgen Klinsmann die Königsklasse noch erreichte, soll Jonker nun die Münchner im titellosen Jahr von Rang vier mindestens auf den von Hannover belegten Platz drei führen. Pikanterweise wird Heynckes, der in der neuen Saison das Trainer-Kommando beim FC Bayern übernimmt, am kommenden Sonntag mit Leverkusen der erste Gegner sein. Bis dahin soll der bisherige van Gaal-Assistent Jonker, dem Hermann Gerland als Assistent zur Seite steht, dem beim 1:1 in Nürnberg blutleer wirkenden Rekordmeister-Team wieder Freude am Kick vermitteln.

«Der Vorstand musste reagieren», sagte Hoeneß, der dem Team die «pure Angst» angesehen hatte. Bei Arjen Robben, der sich unterschwellig auch über die Team-Leistung beklagte, entlud sich der aufgestaute Frust nach dem Schlusspfiff am Samstag in einer Schiedsrichterbeleidigung und seiner ersten Roten Karte in der Bundesliga. Er fehlt zum Start der Jonker'schen Rettungsmission.