Doha/Berlin (dpa) - Angesichts der andauernden Kämpfe in Libyen rückt die Suche nach einer politischen Lösung des Konflikts wieder stärker in den Vordergrund.

Die internationale Libyen-Kontaktgruppe forderte Machthaber Muammar al-Gaddafi am Mittwoch auf, mit einem sofortigen Waffenstillstand und seinem Rücktritt den Weg für einen Dialog freizumachen. Die Bundesregierung ordnete die Ausweisung von fünf libyschen Diplomaten an, die Druck auf in Deutschland lebende Landsleute ausgeübt haben sollen. Die Außenminister der 28 Nato-Staaten beraten an diesem Donnerstag in Berlin über den Nato-geführten Militäreinsatz gegen die Gaddafi-Truppen.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte in Katars Hauptstadt Doha, von der Kontaktgruppe gehe eine klare Botschaft an Gaddafi aus: «Das Spiel ist aus. Das gegenwärtige libysche Regime hat keine Zukunft.» Auch er plädierte jedoch für einen «politischen Prozess». «Es ist offensichtlich, dass es keine militärische Lösung gibt.» Kritik aus Frankreich, das von der Nato eine härtere Gangart verlangt hatte, wies er zurück.

Am ersten Treffen der Kontaktgruppe nahmen die Vertreter von mehr als 20 Staaten und internationalen Organisationen teil, darunter auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Außenminister Guido Westerwelle wies Kritik zurück, Berlin habe sich durch die Enthaltung vor dem UN-Sicherheitsrat ins Abseits begeben. Deutschland sei «alles, aber nicht international isoliert». Deutschland ist an der Militäraktion in Libyen nicht beteiligt.

Die Kontaktgruppe sprach sich dafür aus, die Einrichtung eines Fonds zur Unterstützung der Rebellen zu prüfen. Darin könnte Geld aus Öl-Einnahmen aus den Rebellengebieten sowie dem eingefrorenen Milliardenvermögen des Gaddafi-Regimes einfließen.

Mahmud Schammam, ein Sprecher des libyschen Übergangsrates, sagte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa am Rande des Treffens: «Mehrere Staaten haben sich bereiterklärt, den Revolutionären Militärhilfe zukommen zu lassen, aber sie sind noch dabei, die rechtliche Seite abzuklären.» Für die Aufständischen sei es momentan sehr frustrierend, mit inadäquaten Waffen zu kämpfen, «während Gaddafi immer weiter Waffen und neue Söldner ins Land bringt».

Truppen des libyschen Machthabers griffen am Mittwoch erneut die Rebellenstadt Misurata an. Es habe wieder Beschuss und Verletzte gegeben, berichtete ein Einwohner der belagerten Stadt der Nachrichtenagentur dpa am Telefon. Die Aufständischen befürchteten, dass die Regierung eine entscheidende Offensive plane, um die Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Das von Rebellen beherrschte Misurata östlich der Hauptstadt Tripolis wird seit Wochen von Gaddafi-treuen Truppen belagert. Es gibt weder Strom noch frisches Trinkwasser.