Hamburg (dpa) - Und wieder mimt er einen Gauner. Diesmal allerdings im großen Stil. Martin Semmelrogge hat seine Lederjacke gegen einen feinen Nadelstreifenanzug getauscht. Seine neue Rolle spielt in der Chefetage des Energieriesens Enron, jenem texanischen Konzern, der vor zehn Jahren einen der größten Finanzskandale aller Zeiten verursachte.

«Es ist ein spannender, abstruser und nach wie vor aktueller Wirtschaftskrimi», sagt der 55-Jährige zu dem neuen Stück «Enron», das am 17. April an den Hamburger Kammerspielen Premiere feiert. Gezeigt würden die dunklen Machenschaften der Top-Manager: «Es geht um das Archaische des Menschen, der getrieben ist von Gier und Größenwahn.»

Semmelrogge, der in zahlreichen Fernsehkrimis oder Kinofilmen wie «Bang Boom Bang» gerne den Kleinkriminellen spielt und auch selbst schon - etwa wegen Verkehrsdelikten - im Gefängnis saß, zockt nun als Manager Andy Fastow in neuen Dimensionen. «Wir gründen Schattenunternehmen auf Schattenunternehmen, in denen wir alles Unschöne wie Schulden verstecken.» Es dürfe aber auch gelacht werden: «Allerdings wird den Zuschauern das Lachen manchmal im Hals steckenbleiben, wenn sie sehen, mit welcher Dreistigkeit der normale Bürger übers Ohr gehauen wird.»

2001 brach die undurchschaubare Konstruktion des US-Konzerns Enron zusammen. Der weltweit größte Energiehändler, der rund 22 000 Mitarbeiter beschäftige und von den Medien lange Zeit als höchst innovatives Unternehmen gehandelt wurde, hatte einen Schuldenberg von mehr als 30 Milliarden Dollar angehäuft. Für gigantische Bilanzfälschungen und andere dubiose Tricks wurde der ehemalige Enron-Chef Jeffrey Skilling 2006 wegen Betrugs und Verschwörung zu 24 Jahren Haft verurteilt.

Die junge Autorin Lucy Prebble verarbeitete die Geschichte in einem Theaterstück, das in London und am Broadway gefeiert wurde, bevor es 2010 nach Deutschland kam. Nun bringt Regisseur Ralf Bridle «Enron» in Hamburg auf die Bühne.

Für den zweifachen Vater Semmelrogge, der inzwischen auf Mallorca lebt, ist das Stück brandaktuell und zeigt zudem die enge Verknüpfung zwischen Politik und der (Energie-)Wirtschaft. «Das Volk hat die Schnauze voll, sich bescheißen zu lassen.»

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