Bochum (dpa) - Sie waren die Herrscher über Sieg und Niederlage - jetzt zählen sie selbst zu den Verlierern. Im ersten Prozess um den größten Wettskandal im europäischen Fußball hat die Staatsanwaltschaft Gefängnisstrafen beantragt.

Wettbetrüger Tuna A. soll vier Jahre und drei Monate in Haft, Nürettin G. drei Jahre und neun Monate. Für Stevan R. wurden vier Jahre Haft beantragt. Die Urteile sollen am Donnerstag gesprochen werden. Ante Sapina muss dagegen in die «Verlängerung». Seine ursprünglich für Freitag geplante Verurteilung wurde überraschend auf Anfang Mai verschoben.

Staatsanwalt Andreas Bachmann bezeichnete die Angeklagten als «Feinde des Fußballsports». Sie hätten Wettbewerbsverzerrungen in Kauf genommen und Fußballvereine an den Rand des Ruins getrieben. So sei der belgische Club Royal Namur «regelrecht den Bach runtergegangen». Aber auch der VfL Osnabrück habe mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen gehabt, weil sich einzelne Spieler nicht mehr «reingehängt» hätten. Die Motivation der Angeklagten seine «pure Habgier und Geltungssucht» gewesen. Stevan R. habe sich regelrecht «aufgeplustert».

Vor allem Nürettin G. hatte getan, was er tun konnte. Er hat Namen genannt und Schmiergeldzahlungen an Spieler gestanden. Seine Aussagen hatten auch in der Türkei zu Festnahmen geführt. Die Gewinne der Wettbetrüger waren gigantisch. Allein bei der manipulierten Partie zwischen Augsburg und Osnabrück belief sich der Nettogewinn auf rund 100 000 Euro. «Für 90 Minuten ist das ein toller Stundenverdienst», sagte Bachmann in seinem Plädoyer. «Das hat sich wirklich gelohnt.» Die sportrechtlichen Konsequenzen für die bestochenen Spieler seien dagegen zu keiner Zeit bedacht worden. Bachmann: «Hier muss ein deutliches Zeichen gesetzt werden.»

Die geplante Urteilsverkündung im Parallelverfahren gegen Ante Sapina musste verschoben werden, weil der mitangeklagte Marijo C. darauf bestanden hat, ebenfalls sofort auszusagen. In einer verlesenen Erklärung hieß es wörtlich: «Ich bedauere es, dass ich Spieler in Versuchung geführt habe und sie dieser Versuchung erlegen sind.» Dass C. zuvor weniger Skrupel hatte, beweist allerdings eine frühere Aussage. Um korrupte Spieler zu beruhigen, soll der 35-Jährige einmal gesagt haben: «Es reicht doch aus, wenn man als Fußballspieler in der entscheidenden Sekunde falsch reagiert. Man muss ja nicht das ganze Spiel schlecht spielen.»

In den beiden Prozessen geht es um fast 50 mutmaßlich manipulierte Spiele - von der Oberliga bis zur WM-Qualifikation. Einen echten Gewinn will am Ende übrigens kaum einer gemacht haben. Alles sei sofort immer wieder für neue Wetten eingesetzt worden. Nur von Ante Sapina war auf der Isle of Man ein Geheimkonto gefunden worden. Das Guthaben: über 1,2 Millionen Euro.

Weniger erfolgreich waren dagegen die Pfändungsversuche der Staatsanwaltschaft bei einem ebenfalls angeklagten Rotlicht-Boss aus dem Ruhrgebiet: Der sichergestellte Daimler war geleast, die protzige Uhr eine wertlose Fälschung.