Shanghai (dpa) - Erst Australien, dann Malaysia, nun China: Sebastian Vettel will den ersten Auftakt-Hattrick seiner Formel-1-Karriere perfekt machen und mit optimaler Punktausbeute nach Europa zurückkehren.

Der überlegene Red Bull des Weltmeisters wird für den dritten WM-Lauf der Saison auf dem Shanghai International Circuit zusätzlich aufgepeppt, die Konkurrenz wird wohl auch im Reich der Mitte über die Boxenfunk-Geheimsprache des enteilten Hessen mit seiner Crew rätseln müssen. Fest steht nur eins: Selbst wenn die Rivalen der Rennstrecke alles versuchen, das meiste spricht für eine Fortsetzung der Vettel-Festspiele.

«Viel Zeit zum Durchatmen gibt es nicht», sagte der 23-Jährige, der am 13. April nach China reisen wollte, wo er 2009 bereits einmal gewann. Auch wenn er die Sorge um die kurze Pause auf sich bezog, sind die Nöte seiner Jäger viel größer. Sowohl in Melbourne als auch in Sepang hechelten die Verfolger vergeblich hinter Vettel her. Zweimal stand der Deutsche auf Pole Position, zweimal dann auch auf dem obersten Podestplatz - mehr geht nicht.

Vier Rennen in Serie ist Vettel ungeschlagen. Gewinnt er auch den dritten Grand Prix der neue Saison, nachdem er bereits die beiden Finalläufe 2010 für sich entschied, wäre es der erste Hattrick zum Saisonstart seit Michael Schumacher 2004.

Doch noch tritt Vettel auf die Euphoriebremse. Seine souveränen Auftaktsiege hätten mit Blick auf den Titelkampf nichts zu sagen, betont er, denn in den noch ausstehenden 17 Rennen gebe es mehr zu gewinnen als in den ersten beiden. «Ich bin kein Mathegenie, aber das kann ich mir auch ausrechnen», betont der Abiturient aus Heppenheim, der vor dem China-Rennen 50 Punkte eingefahren hat. Ex-Weltmeister Jenson Button kommt im McLaren-Mercedes als Zweiter auf 26.

«Wir haben nie ein Geheimnis draus gemacht, den Kampf mit Red Bull aufzunehmen», sagte Button. Sein drittplatzierter Teamkollege Lewis Hamilton (22) ist nach dem für ihn enttäuschenden Malaysia-Rennen nicht minder angriffslustig. Red Bull habe in den ersten beiden Rennen sein volles Potenzial noch nicht erreichen können, «und ich denke, es ist wichtig, dass wir den Druck aufrechterhalten, um ihnen zu zeigen, dass sie sich keine Fehler leisten dürfen».

Red Bull vorneweg, dahinter McLaren, und dann schon die erste Überraschung: Nicht Ferrari, schon gar nicht Mercedes mit Rekordweltmeister Schumacher, sondern Lotus-Renault mit Nick Heidfeld. Der 33-Jährige bewies nach Witali Petrows Podestplatz zum Auftakt in Australien ebenfalls das Potenzial des schwarzen Flitzers. «Wenn man den reinen Speed und die Leistung des Autos nimmt, dann würde ich sagen, Renault ist die dritte Kraft», meinte Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko.