Berlin (dpa) - Das lange umstrittene Gesetz zum Sperren von kinderpornografischen Inhalten im Internet war in Deutschland maßgeblich von Familienministerin Ursula von der Leyen (52) auf den Weg gebracht worden - und brachte ihr den Spitznamen «Zensursula» ein.

Kritiker argumentierten, dass eine solche Sperre leicht zu umgehen und deshalb nicht wirksam sei. Zudem würde damit den Verbreitern krimineller Pornografie nicht wie etwa beim Löschen das Handwerk gelegt.

Das «Zugangserschwerungsgesetz» sollte alle großen Provider in Deutschland verpflichten, den Zugang zu entsprechenden Inhalten zu blockieren. Potenziellen Besuchern sollte ein virtuelles Stoppschild angezeigt werden. Anders als beim Löschen wären die Seiten aber nicht endgültig entfernt worden. Die Anfrage sollte lediglich auf einen anderen Server umgeleitet werden, der die IP-Adresse nicht mehr übersetzt. Dieses Verfahren wäre allerdings relativ leicht zu umgehen, indem man etwa auf einen anderen DNS-Server wechselt, der die Internet-Adresse wieder in die ursprüngliche Zahlenfolge übersetzt.

Grundlage sollte eine Liste von Internet-Seiten sein, die vom Bundeskriminalamt (BKA) erstellt und gepflegt werden sollte. Auch die Oberhoheit des BKA über die geheime Liste war vielen Internet-Aktivisten ein Dorn im Auge. Der Bürgerrechtsverband AK Zensur hatte deshalb im Februar Verfassungsbeschwerde gegen das Gesetz eingelegt.

Gänzlich von Tisch ist die Idee der «Zugangserschwerung» allerdings noch nicht und könnte durch die «Hintertür» wieder eingeführt werden, befürchten Experten. So hätten die Ministerpräsidenten der Länder für den neuen Glücksspielstaatsvertrag erst kürzlich einem Entwurf zugestimmt, der Internetsperren vorsieht, erklärte der Internet-Experte der FDP-Bundestagsfraktion Jimmy Schulz. Der Vertrag soll die Konzessionierung von Glücksspiel-Lizenzen im Online-Bereich regeln. Nicht-lizenzierte Anbieter sollten, so sehe der Entwurf vor, mittels Internetsperren vom deutschen Markt ferngehalten werden.