Shanghai (dpa) - Nico Rosberg hofft, Ross Brawn grübelt: Der Formel-1-Teamchef von Mercedes schreckt auch vor einer Radikalkur für den lahmen Silberpfeil nicht zurück.

«Sollten die normalen Weiterentwicklungsschritte nichts bringen, müssen wir über eine grundsätzliche Änderung des Fahrzeugkonzepts nachdenken, um so zum Beispiel auch Red Bulls flexiblen Frontflügel zu integrieren», sagte der Brite Brawn vor dem Großen Preis von China der «Sport Bild».

Zwei Punkte hat das Team, das sich den WM-Titel bei Michael Schumachers Dreijahresprojekt auf die Fahnen geschrieben hat, vor dem dritten Saisonrennen gerade mal auf der Habenseite. Auf einen Fortschritt hofft Rosberg inständig «zum Beispiel am Wochenende in China», wie der Wiesbadener im Interview der Nachrichtenagentur dpa sagte. Doch Zuversicht klingt anders. «Ob der entscheidend wird, müssen wir erst noch sehen. Ich bin da genauso gespannt wie die Fans», fügte Rosberg an.

Ein Auszug aus der Pannenstatistik: Mal funktioniert das Hybridsystem KERS, für das Mercedes eigentlich in der Formel 1 beneidet wird, nicht. Dann klappt's mit der verstellbaren Klappe vom Heckflügel nicht so richtig. «Es ist einiges von dem Stand entfernt, den wir anstreben», sagte Rosberg über den MGP W02. Man habe das Potenzial noch nicht ausgenutzt und arbeite daran, dies zu tun.

Dass mehr geht, ließen zumindest die finalen Testfahrten vor Saisonbeginn vermuten. Rekordchampion Schumacher stellte eine famose Bestzeit auf, Rosberg war bei nur einer Stunde im neuen Auto nur unwesentlich langsamer - trotz nicht einwandfrei funktionierendem Heckflügel. Entsprechend groß war plötzlich die Erwartung auf ein bisschen Glanz mit dem Silberpfeil.

«Die Richtung stimmt. Definitiv», ließ Schumacher vor dem Auftakt in Australien verlauten: «Wir sollten in diesem Jahr ordentlich dastehen. Ob der Wagen schon das Siegerauto ist - für diese Einschätzung möchte ich erst mal ein paar Rennen abwarten. Aber mit dem Wagen werden wir um vordere Plätze kämpfen können, das ist die gute Nachricht.» Allerdings folgten eher schlechte Tatsachen - wenn auch wie in Australien noch fremdverschuldet durch Karambolagen mit Kontrahenten und dem daraus resultierenden Aus für beide.

Vor dem Rennen im Reich der Mitte findet sich auch Mercedes in der Formel-1-Hierarchie in der Mitte. Hinter dem überlegenen Red-Bull-Team mit Weltmeister Sebastian Vettel lauert vor allem Mercedes-Partner McLaren, dann kommt Renault mit dem Malaysia-Dritten Nick Heidfeld und dann die ebenfalls enttäuschende Scuderia Ferrari. Erst dann Mercedes, für das Rosberg doch so gern den ersten Sieg - zugleich seiner Karriere - einfahren würde. Aber: «Natürlich bin ich nicht so positiv gestimmt wie nach unserem letzten Test vor Beginn der Saison.» Er sei jedoch immer optimistisch und kämpferisch eingestellt. «Ich glaube an das Team und an mich.»