Berlin (dpa) - Die Bundesliga sieht sich auch im Auslandsgeschäft auf gutem Wege, hätte gern aber noch mehr Stars als TV-Zugpferde.

«Es ist sicher toll für Herrn Özil, dass er bei Real Madrid spielt. Aber für die Bundesliga wäre es besser, wenn er hier spielen würde», sagte Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung, in Berlin. Seit sechs Jahren treibt die Deutsche Fußball Liga (DFL) die weltweite Vermarktung ihres Premium-Produkts zwischen China, Dubai und Kapstadt intensiv voran; mit Stolz verweist sie auf Rekordzahlen. Doch der Abstand zu England und Spanien ist noch immer groß. An Italien pirscht sich die Bundesliga erst heran.

«Die Zeichen stehen besser denn je. Aber das Geld fällt nicht vom Himmel, da muss die Liga etwas tun», betonte Seifert. In der Saison 2009/10 verfolgten weltweit 2,245 Milliarden TV-Zuschauer in 208 Ländern die deutsche Eliteklasse. In 198 Ländern sind derzeit Spiele live zu sehen. In der aktuellen Saison fließen 47 Millionen Euro aus der Auslandsvermarktung in die Ligakasse; das sind immerhin elf Prozent aller Umsätze. In der Spielzeit 2011/2012 werden die Erlöse aus dem Verkauf der internationalen Rechte erstmals über 50 Millionen Euro liegen, 2005/06 waren es gerade einmal 12 Millionen. Doch es gibt - nicht nur in Bezug auf die 412 Millionen aus der Inlandsvermarktung - noch immer große Reserven.

«Die Premier League ist noch weit voraus», erklärte Seifert. Sie soll aus Auslandsrechten rund 300 Millionen Euro erlösen, fast ein Drittel ihres Gesamtumsatzes. Auch die spanische Primera División (geschätzte 150 Millionen Euro) und die Serie A in Italien (90 bis 100 Millionen Euro) liegen noch vor der Bundesliga, die Verträge mit 50 TV-Partnern geschlossen hat. «Wir sind die zur Zeit am stärksten wachsende Liga», sagte Seifert zur Auslandsvermarktung. 26 000 Stunden Bundesliga-Livefußball waren 2009/10 fast auf der ganzen Welt zu sehen. 700 Millionen Haushalte werden mit Bayern, Schalke und Co. versorgt. Lediglich in Ländern wie Afghanistan, Nordkorea, Pakistan, Indonesien oder Neuseeland gibt es noch keine Live-Bilder zu sehen.

Die DFL vermarktet durch eigene Töchter-Unternehmen längst mehr als die reinen Live-Bilder: Die Kunden auf allen Kontinenten bekommen von wöchentlichen Highlight-Shows, dem TV-Magazin «Goal» über Satellitenleitungen bis hin zu umfangreichen Statistiken ganze Bundesliga-TV-Pakete angeboten. «Wir betreiben den Auslandsverkauf. Wir denken wie ein Medienunternehmen», unterstrich Seifert. Damit will die DFL Nachteile gegenüber England und Spanien ausgleichen, die noch immer mehr Stars, Erfolge und die international bekannteren Vereine zeigen können. Mega-Stars, Triumphe der Clubs und der Nationalmannschaft sind noch immer die beste Liga-Werbung.

Mit Bayern München hat die Bundesliga weiterhin nur ein ganz großes Zugpferd. An den acht weltweit am meisten gesehenen Bundesliga-Partien der vergangenen Saison war immer der deutsche Rekordmeister beteiligt. Das Spiel mit der besten Quote war Hertha BSC gegen Bayern München, das allein in China zehn Millionen Zuschauer sahen. Von 2011/12 an werden die Auslandsrechte für drei Spielzeiten neu vergeben. «Wir rechnen mit einem zweistelligen Wachstum», sagte Seifert optimistisch.