Berlin (dpa) - Bei einem schnellen Atomausstieg droht den Verbrauchern nach Ansicht von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) nur ein moderater Anstieg der Strompreise.

Der Preis für eine Kilowattstunde Strom werde sich in den nächsten Jahrzehnten bei Umsetzung der schwarz-gelben Pläne nur um 0,1 bis 0,9 Cent erhöhen, sagte Röttgen nach Angaben der «Passauer Neuen Presse» vor Unions-Abgeordneten.

Die Kosten der Energiewende werden auch ein zentrales Thema beim Spitzentreffen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Freitag mit den Ministerpräsidenten der Länder sein.

Der haushaltspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Otto Fricke, forderte mehr Transparenz. Die Bürger seien bereit, für die Energiewende zu zahlen, wenn sie nicht das Gefühl hätten, dass das Geld in undurchsichtigen Kanälen verschwinde.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verlangt einen Ersatz für mögliche Steuerausfälle durch die Abschaltung von Atomkraftwerken. «Ich bin der Letzte, der sagen würde, wegen des Haushalts können wir nicht aus der Kernenergie aussteigen», sagte Schäuble in einem Interview mit der Zeitung «Die Welt» (Donnerstag). «Aber Fukushima setzt die Grundrechenarten nicht außer Kraft: Wer Steuereinnahmen vermindert - etwa bei der Brennelementesteuer -, muss mir sagen, wie wir die dadurch entstehenden Lücken füllen beziehungsweise die Schuldenbremse einhalten wollen.»

Die Frage sei: «Wie gestalten wir einen wirtschaftlich vertretbaren Ausstieg und wer trägt die Kosten für den schnelleren Ausstieg - die Steuerzahler oder die Verbraucher?»

Die Bundesnetzagentur warnte die Regierung vor einer übereilten Energiewende. «Es ist dringend davon abzuraten, kurzfristig weitere Abschaltungen über die acht Kernkraftwerke hinaus anzuordnen, die nicht ausreichend mit den Energieversorgern abgesprochen sind», schreibt die Behörde in ihrem Bericht für die Regierung über die Auswirkungen des Atom-Moratoriums. Das Gutachten lag dem «Handelsblatt» und der Nachrichtenagentur dpa vor.