Frankfurt/Main (dpa) - Die Lokführergewerkschaft GDL lässt im Tarifstreit erneut die Muskeln spielen: An diesem Donnerstag und Freitag bestreikt sie abermals die Konkurrenz der Deutschen Bahn (DB). Es ist bereits die sechste Streikwelle seit Mitte Februar.

Anders als erwartet wurden die GDL und die bundeseigene Bahn in der Nacht zu Mittwoch noch nicht handelseinig. Für Freitag ist in diesem Tarifstreit nun ein neuer Verhandlungstermin angesetzt.

Der Ausstand bei 20 regionalen Schienenverkehrsunternehmen werde am Donnerstag um 2.00 Uhr morgens beginnen und 48 Stunden später in der Nacht zu Samstag enden, erklärte die GDL. Betroffen sind die großen fünf regionalen Bahn-Wettbewerber Abellio, Netinera, Benex, Veolia, Hessische Landesbahn und deren Töchter.

GDL-Chef Claus Weselsky forderte die Wettbewerber der DB erneut auf, an den Verhandlungstisch zurückkehren: «Die Verschärfung des Konflikts auf dem Rücken der Lokomotivführer und die Ignoranz gegenüber den Fahrgästen ist keine erfolgreiche Strategie zur Beseitigung des Tarifkonflikts», sagte er laut Mitteilung.

Für neue Gespräche müssten die Arbeitgeber jedoch zunächst «substanzielle Angebote» präsentieren. Die GDL verlangt neben Einkommensverbesserungen vor allem einen bundesweiten Branchentarif, der einheitliche Tarifstandards für alle 26 000 Lokführer vorschreibt. Die Verbindungen des Branchenführers DB sollen ebenso verschont bleiben wie die des Wettbewerbers Keolis (Eurobahn) - mit ihm hatte es jüngst eine Annäherung gegeben.

Am frühen Mittwochmorgen unterbrachen Bahn und GDL ihre Marathon-Verhandlungen um ein neues Tarifpaket. Nach 18 Stunden Diskussion am Stück gingen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Frankfurt ohne einen Kompromiss auseinander. «Die Vielfalt der Themen hat uns noch nicht die Möglichkeit gegeben, zu einem Abschluss zu kommen», sagte Weselsky.

Nach eigenem Bekunden hatten sich die beiden Tarifparteien in den 13 vorangegangenen Verhandlungsrunden eigentlich so sehr angenähert, dass am Dienstag zunächst eine Einigung für die 20 000 Lokführer des staatseigenen Konzern greifbar schien. Strittig ist noch die neue Ausgestaltung des Haustarifvertrages. Er soll DB-intern etwa Eckpunkte für das Überstundenkonto, die Altersvorsorge oder die Weiterqualifizierung regeln.