Hechingen (dpa) - Die für den 18. April angesetzte Gerichts-Entscheidung im Schiedsrichter-Skandal-Fall Amerell/Kempter ist um vier Wochen verschoben worden.

Der ehemalige Schiedsrichter-Funktionär Manfred Amerell hat beim Landgericht Hechingen ein Ablehnungs-Gesuch gegen alle drei Richter gestellt, teilte ein Gerichtssprecher mit. Die Kammer wird nun in neuer Besetzung über Amerells Antrag entscheiden und am 12. Mai verkünden, wie es mit dem Verfahren weitergeht.

Der frühere Bundesliga-Referee Kempter wirft Amerell, einst Schiedsrichter-Sprecher beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), sexuelle Belästigung vor. Amerell bestreitet das und verlangt wiederum von Kempter 150 000 Euro Schadensersatz wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte. Der erste Prozesstag in diesem von großem öffentlichem Interesse begleiteten Verfahren war am 10. Februar ohne Urteil zu Ende gegangen.

Das Landgericht Hechingen unterbreitete daraufhin beiden Kontrahenten einen Vergleichsvorschlag. Amerell lehnte diesen ab, Kempter würde ihm nach Angaben seines Anwalts Christoph Schickhardt «grundsätzlich» zustimmen. In dem Vergleichsvorschlag ist von Schadensersatz keine Rede mehr. Er soll vor allem das Ende der Schlammschlacht zwischen beiden einläuten.

Die von Amerell nun abgelehnten Richter hielten unter anderem fest: «Die Parteien respektieren und wertschätzen die gegenseitigen Leistungen im Schiedsrichterwesen des deutschen Fußballs. Die Parteien sehen künftig davon ab, öffentliche Erklärungen über den anderen vor Vertretern der Medien abzugeben. Die Parteien wahren Diskretion hinsichtlich des gegenseitig ausgetauschten E-Mail-Verkehrs, von SMS-Mitteilungen oder sonstiger gegenseitig gewechselter Nachrichten. Damit sind die Streit gegenständlichen Ansprüche erledigt.»

Im Zentrum des Falles steht die Frage: Waren die intimen Kontakte zwischen dem 28-jährigen Kempter und dem 36 Jahre älteren Amerell einvernehmlich oder kamen sie unter dem Druck des ehemaligen Schiedsrichter-Funktionärs zustande? Der Fall hatte vor einem Jahr für einen Riesenwirbel im deutschen Fußball gesorgt. Das Gericht wird nun am 12. Mai eine Entscheidung verkünden oder das Verfahren mit einer neuen Beweisaufnahme fortsetzen.