Berlin (dpa) - Jeder will das gehauchte «Ja» von William und Kate hören, jeder will den ersten Kuss sehen und die Blicke der Queen analysieren. Wirklich jeder? Von den deutschen Medien zumindest will jeder bei der Hochzeit des britischen Königshauses dabei sein. Es ist das Blockbuster-Ereignis des Jahres.

Die privaten und öffentlichen deutschen Fernsehsender berichten am 29. April live teilweise mehr als sechs Stunden am Stück, Zeitungen und Zeitschriften übertrumpfen sich mit Sonderseiten und Extraheften. Und natürlich wird die Hochzeit auch online zum Riesenereignis.

William und Kate scheinen sämtliche ihrer königlichen Kollegen in den Schatten zu stellen. Schon bei Prinzessin Victoria und Daniel aus Schweden seufzten die Menschen auf der ganzen Welt über das Liebesglück. Bei William und Kate scheint die Aufregung noch größer. Liegt das an der tragischen Liebesgeschichte von Diana und Charles und Dianas Tod? «Königshäuser-Events zählen einfach zu den kollektiv wichtigen Medienereignissen mit hoher Einschaltquote», sagt die Medienforscherin Joan Bleicher von der Universität Hamburg.

Der Hype der Medien ist deshalb fast verständlich: «Der Aufwand ist traditionell immer hoch gewesen. Bei der Krönung (von Queen Elizabeth II.) damals 1953 mussten erstmal durch ganz Europa entsprechende Kabel verlegt werden, damit man die Bilder europaweit übertragen konnte», sagt Bleicher.

Sender, Zeitungen und Agenturen aus aller Welt schicken Scharen von Reportern, Kameraleuten und Fotografen nach London. Insgesamt 8000 Journalisten werden aus der Themse-Metropole berichten. Längst macht der Hof mit der Hochzeit ein Geschäft. Die Berichterstatter müssen teuer bezahlen: Für Foto- und Kamerapositionen während der Hochzeit können bis zu 90 000 Pfund (mehr als 100 000 Euro) fällig werden.

Davon lassen sich die Medien nicht abschrecken, sondern bereiten sich akribisch auf ein Riesenprogramm vor. «Küss mich Kate» lautet das ARD-Motto. Am Start sind neben einer Kommentatorin und einem Adels-Experten auch die Moderatorin Barbara Schöneberger als «rasende Reporterin». Parallel läuft «ZDF Royal» und auch dort scheint man gut gewappnet: Mit zwei Moderatoren, einer Society-Lady und einer Historikerin von der Universität Cambridge. Dass die beiden öffentlichen Sender nebeneinander laufen, finden sie nicht so schlimm. Vom ARD ist zu hören: «Wir haben eigene Reporterplätze. Es soll ja schon eine Alternative sein.»

Von den privaten Sendern beweist Sat.1 mit einem Marathon von zwölf Stunden das längste Durchhaltevermögen - und ist mit 90 Mann vor Ort. Dazu gehören neben den Moderatoren und Kameraleuten auch Visagisten, Garderobiers und Caterer. RTL wird mit Bruce Darnell, bekannt aus Heidi Klums Topmodelshow, und dem Ex-Dschungelkönig Ross Anthony zwei Promi-Kommentatoren haben. Auch die Nachrichtensender n-tv und N24 senden mehrere Stunden live. Von der RTL-Gruppe werden bis zu 60 Leute in London eingesetzt. Das ist aber noch nicht alles: RTL wird eine Doku zu dem Brautpaar senden und Sat.1 den Fernsehfilm «William und Kate: Ein Märchen wird wahr».