Gelsenkirchen (dpa) - Raúl und Benedikt Höwedes haben für Schalke 04 das «Wunder von Mailand» veredelt und den größten Erfolg der königsblauen Vereinsgeschichte seit dem UEFA-Pokal-Triumph 1997 perfekt gemacht.

Acht Tage nach dem 5:2 in San Siro gewannen die Gelsenkirchener auch das Rückspiel gegen Titelverteidiger Inter mit 2:1 (1:0) und zogen als vierte deutsche Mannschaft nach Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen in ein Champions League-Halbfinale ein. Dort wartet am 26. April und 4. Mai Manchester United auf die Schalker.

«Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn! Ich bin so stolz auf die ganze Mannschaft und den Trainer. Wir haben einen grandiosen Sieg nach Hause geholt», sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies im Überschwang der Gefühle. Vor 53 000 Zuschauern schossen der Spanier Raúl (45. Minute) mit seinem 71. Tor in der europäischen Königsklasse und Höwedes (81.) für S04 den vierten Sieg im vierten Spiel unter Coach Ralf Rangnick heraus. Der Gegentreffer durch Thiago Motta (49.) konnte die Freude in der Arena kaum trüben.

Schalke darf sich nun auf einen weiteren Geldsegen freuen. 4,2 Millionen Euro für den Einzug in die Vorschlussrunde gegen Manchester sind bereits sicher. «Wir brauchen nicht darüber zu reden, dass wir auch in diesen Spielen klarer Außenseiter sind», sagte Rangnick.

«Das ist etwas Historisches. Wir sind sehr, sehr glücklich, dass wir im Halbfinale stehen. Wir haben beide Spiele verdient gewonnen», bescheinigte Sportchef Horst Heldt dem Team. «Man hat in beiden Spielen gesehen, welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt. Wir wollten auf Sieg spielen. Deshalb war uns das 1:1 nicht genug», erklärte Abwehrchef Christoph Metzelder.

Nach dem Paukenschlag in Mailand bekamen die Fans diesmal kein weiteres Fußball-Fest in Königsblau geboten, dafür waren die Rollen nach dem Hinspielresultat zu klar verteilt. Dennoch lieferten die klug eingestellten Schalker wiederum ein taktisches Meisterstück. Bei Ballbesitz des Gegners zogen sie sich weit zurück und lauerten auf Konter. Die Abwehr um Höwedes und den nach seinem Nasenbeinbruch mit einer Gesichtsmaske spielenden Metzelder hielt Inters Offensive sicher in Schach. Und vorne lauerten Raúl und Jose Manuel Jurado.

Kontrollierte Offensive lautete das Motto beiden Gastgebern, aber auch die insgeheim auf ein Wunder hoffenden Mailänder suchten nicht bedingungslos den Weg nach vorne. In der 16. Minute prüfte Raúl (16.) per Kopfball Julio Cesar im Mailänder Kasten. Mehr ließ die Inter-Abwehr, die mit der Rückkehr des früheren Münchners Lucio an Stabilität gewann, zunächst nicht zu.