Bregenz (dpa) - Aus dem Bodensee erhebt sich ein riesiger Oberkörper, 161 Treppenstufen führen über die Brust bis zum Gesicht - am Mittwoch wurde das Bühnenbild für die Bregenzer Festspiele 2011 enthüllt. Die Oper «André Chénier» von Umberto Giordano «ist für die Seebühne perfekt», sagte Intendant David Pountney.

Er hat das relativ unbekannte Werk über einen Dichter während der Französischen Revolution Mozarts «Zauberflöte» vorgezogen. Die Inszenierung ist vom 20. Juli an für zwei Spielzeiten zu sehen. «Das ist kein Bühnenbild für einen Sonntagnachmittagsspaziergang», sagt Pressesprecher Axel Renner. Die Kulisse sei nicht nur eine technische Herausforderung, sondern verlange Sängern, Akrobaten und Statisten viel körperliche Fitness ab. Entworfen wurde sie am Computer, erklärte Frank Schulze vom Leitungsteam der Festspiele.

Die Modelle wurden bereits vor Monaten aus Styropor vorgefräst. Mitte März wurden Kopf und Körper per Schiff angeliefert und auf der Seebühne zusammengefügt und verspachtelt. Rund 40 Firmen waren an der Herstellung der Kulisse beteiligt.

Erstmals wurde das Bühnenbild einem historischen Gemälde nachempfunden. Regisseur Keith Warner und Bühnenbildner David Fielding ließen sich von dem Gemälde «Der Tod des Marat» von Jacques-Louis David (1748-1825) inspirieren. Das Gemälde aus dem Jahr 1793 zählt zu den berühmtesten Darstellungen der Franzosischen Revolution und zeigt den Revolutionär Marat kurz nachdem er in der Badewanne erstochen worden war. In der Bregenzer Adaption dient jetzt der Bodensee als Badewanne.

Die Französische Revolution ist auch zeitliche Kulisse der Oper auf dem See. Im Zentrum der Handlung von «André Chénier» steht mit dem gleichnamigen Dichter eine historische Figur, die in den Wirren der Revolution vom glühenden Anhänger zum erbarmungslos Verfolgten wird.

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