Shanghai (dpa) - Bei der Jagd auf Sebastian Vettel setzt Ferrari auf die «Eichhörnchentaktik», McLaren will schon in China weiter am Vorsprung nagen. Der vor seinem womöglich fünften Sieg in Serie stehende Formel-1-Weltmeister hat aber ein anderes Team im Titelkampf auch auf der Rechnung: Mercedes.

«Wir haben erst zwei Rennen hinter uns und wir haben im vergangenen Jahr gesehen, wie viel sich in ein paar Rennen ändern kann», sagte Vettel, während Mercedes-Pilot und Kumpel Michael Schumacher allerdings neben ihm saß.

Das deutsche Duo in der ersten Reihe - vorerst nur bei einer Pressekonferenz denkbar, trennen Red Bull und die Silberpfeile derzeit doch noch Welten. Entsprechend kurzsilbig beantworte Schumacher, immerhin mit sieben WM-Titeln dekoriert, nach gerade mal zwei Pünktchen aus zwei Rennen die Frage, ob der Saisonstart enttäuschend gewesen sei. «Jep», entgegnete er, um dann hinzuzufügen: «Ich muss dem wahrscheinlich zustimmen.»

Die Hatz auf seinen Kumpel aus Hessen übernehmen zu seinem sichtbaren Leidwesen andere. Wenngleich sich Fernando Alonso zumindest für den Großen Preis von China mit kleiner Beute zufriedengeben würde. «Im Moment müssen wir realistischer sein - ehrlich mit uns selbst, und vielleicht übers Podium als Ziel nachdenken», meinte der zweimalige Weltmeister aus Spanien.

Von einem Sieg am 17. April in Shanghai ist keine Rede, trotz des notfallartig anmutenden Kurztrips seiner Ferrari-Teamleitung von Malaysia nach Maranello. Daher gab Alonso, der in der vergangenen Saison im Finale auf fast schon demütigende Weise den Titel an Vettel verloren hatte, auch die «Eichhörnchen-Devise» aus dem Vorjahr wieder aus: erstmal immer nur Punkte zu sammeln.

Ausgerechnet ein anderer Deutscher will dem Spanier dabei aber in die Parade fahren. «Das ist natürlich ein tolles Ziel und eine tolle Motivation, wenn man gegen Ferrari kämpft», sagte Nick Heidfeld in Shanghai. Nach seinem dritten Platz in Malaysia empfindet der gebürtige Mönchengladbacher nicht nur eine gewisse Genugtuung gegenüber seinen Kritikern, Heidfeld will auch noch mehr. Der 33-Jährige will mit Lotus Renault Kurs auf Platz 3 unter den Teams nehmen, dort rangiert derzeit Ferrari mit sechs Zählern mehr.

An Red Bull kommt Renault - trotz gleichen Motors - indes noch lange nicht ran. Die Aufgabe traut sich am ehesten McLaren-Mercedes zu. In Jenson Button (26 Punkte/2. Platz) und Lewis Hamilton (22/3.) liegen die beiden Ex-Weltmeister des englischen Rennstalls auf der Lauer. «Hoffentlich können wir dieses Wochenende die Lücke deutlich verkleinern», sagte Button. Kollege Hamilton befürchtete allerdings bereits: «Sie werden noch schneller sein als im letzten Rennen.»