München (dpa) - Interims-Cheftrainer Andries Jonker und die Mannschaft sollen «den Funken» auf dem Platz entfachen - aber auch von Fan-Seite erwartet Karl-Heinz Rummenigge im ersten von fünf «Endspielen» einen anderen Auftritt als zuletzt.

«Gerade jetzt, wo es sportlich nicht so gut läuft, wie von uns allen gewünscht, fordere ich alle Fans des FC Bayern auf, unseren Club zu unterstützen. Wir müssen nun zusammenstehen, damit wir uns noch für die Teilnahme an der Champions League qualifizieren», schrieb Rummenigge in einem offenen Brief im Stadionmagazin vor der Partie gegen Bayer Leverkusen und den künftigen Bayern-Trainer Jupp Heynckes. «Wir müssen uns als Einheit präsentierten. Mia san Mia. Und mia san ein FC Bayern.»

Nach den Fan-Anfeindungen gegen Uli Hoeneß im letzten Heimspiel gegen Mönchengladbach (1:0) widmete der deutsche Fußball-Rekordmeister der Fan-Thematik und dem Präsidenten zwölf Seiten im Heft. Bei der Partie gegen die Borussia hatten einige Anhänger die Rolle von Hoeneß in den Rettungsbemühungen um den finanziell angeschlagenen Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München beklagt. Er wurde auf einem Transparent gar als «Lügner» beleidigt.

«Die Regeln des Anstands und das Selbstverständnis aller im Kreise des FC Bayern verbieten Beleidigungen, wie wir sie gegen Gladbach erleben mussten, ohnehin von selbst», betonte Rummenigge, der gegen das Leverkusener Team des künftigen Bayern-Trainers auf einen Sieg hofft. Neue Anfeuerung soll es von den Rängen für den neuen Münchner Chefcoach Jonker geben - und neu vergeben wird auch der Platz zwischen den Pfosten. Hier gilt es als abgemacht, dass Jörg Butt für Thomas Kraft wieder ins Tor rückt. In der sensiblen Torwart-Personalie hatte sich beim Auftritt des FC Schalke im Pokal Anfang März mit Anti-Manuel-Neuer-Bekundungen bereits der Fan-Zorn entladen.

«Jubel und die La-Ola-Welle, Pfiffe oder Buh-Rufe - all das ist in einem Stadion völlig in Ordnung. Aber hier wurde eine neue - unsägliche - Dimension der Meinungsäußerung erreicht», führte Rummenigge zu den verschiedenen Vorfällen aus und verwies auf Kapitän Philipp Lahm, der «Politik im Stadion» verurteilt hatte. «Philipp Lahm hat den Nagel auf den Kopf getroffen.»

Für die Heim-Partie gegen Bayer Leverkusen wurde von anderer Fan-Seite schon eine «Pro-Hoeneß»-Aktion, in der rote T-Shirts mit der Aufschrift «Mia san Uli» getragen werden sollen, angekündigt. Zuspruch für den Präsidenten würde auch Rummenigge freuen. «Ich kenne Uli Hoeneß nun seit 37 Jahren. Er denkt FC Bayern, er fühlt FC Bayern, er lebt FC Bayern, er ist FC Bayern. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, sein Leben lang. Er tut alles für unseren Club, er denkt nur an das Wohl 'seines' Clubs. Deshalb war ich, und alle, die dem FC Bayern verbunden sind, völlig entsetzt, in welcher Art er beleidigt wurde», schilderte der Vorstandschef.

Rummenigge rechtfertigte auch noch einmal das Vorgehen des Vereins in der «Löwen»-Angelegenheit. «Es gab und gibt also auch gesetzlich keine Alternative zur Stundung der Schulden von 1860», sagte der Vorstandschef. Anschuldigungen seien haltlos gewesen. «Der Vorstand ist gemäß Aktiengesetz verpflichtet, zum Wohle des FC Bayern zu handeln. Dies verlangt auch: Drohen hohe Einnahmen durch Insolvenz eines Schuldners auszubleiben, muss der Vorstand an der Verhinderung dieser Insolvenz mitwirken.»