Leipzig (dpa) - Die Abschaltung der alten Atomkraftwerke hat den Strompreis an Deutschlands einziger Energiebörse EEX in die Höhe getrieben. Die Unsicherheit im Markt sei zuletzt groß gewesen, sagte die EEX-Finanzchefin Iris Weidinger am Donnerstag in Leipzig.

Ende März, dem Monat der Atomkatastrophe von Japan und dem hastig verkündeten deutschen Atom-Moratorium, lag der Preis für die sogenannte Grundlast im Strom-Terminhandel für das Jahr 2012 bei knapp 60 Euro pro Megawattstunde. Ende Februar waren es noch rund 53 Euro. Aussagen, wie sich der Strompreis entwickeln werde, könne und wolle die EEX nicht treffen.

«Die EEX lebt nicht von den Preisen. Wir stellen dem Markt eine Plattform zur Verfügung», betonte Weidinger. Entsprechend haben die Leipziger vor allem die Handelsvolumina im Blick. Die seien im März aufgrund der Volatilität im Markt kräftig angestiegen. An Spitzentagen seien an der Börse bis zu 19 Terawattstunden Strom gehandelt worden. Normal seien 4 bis 5 Terawattstunden. Die EEX stellt sich darauf ein, dass in Zukunft mehr kurzfristig erzeugter Strom aus erneuerbaren Energien - statt langfristig planbarer aus Atomkraftwerken - auf den Markt kommt. «Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt das Thema als ein solches erkannt und werden Antworten suchen», sagte Weidinger.

Die EEX (European Energy Exchange) machte voriges Jahr 43,2 Millionen Euro Umsatz (2009: 34,6 Mio Euro). Das Ergebnis vor Steuern kletterte um 21 Prozent auf 15,9 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2015 peilt die EEX eine Verdopplung ihres Umsatzes an. Dazu solle auch der Handel mit Erdgas und Emissionsrechten ausgebaut werden. Bislang dominiert der Stromhandel; er trug voriges Jahr 64 Prozent zum Umsatz bei. «Wir wollen zur klar führenden Energiebörse in Europa werden», erklärte EEX-Vorstand Christoph Mura. Ein Handel mit Rohstoffen zur Energieerzeugung - zum Beispiel Weizen, Mais oder Pellets - sei derzeit nicht geplant.

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