Hamburg (dpa) - Als Spieler ist Horst Hrubesch vor allem durch seine zahlreichen Tore per Kopf bekanntgeworden. Dass das Kopfball-Ungeheuer auch mal ein erfolgreicher Trainer werden könnte, haben viele ihm nicht zugetraut. Am 17. April feiert Hrubesch seinen 60. Geburtstag.

Kaltz' Bananenflanke segelt auf Hrubeschs «Birne» - und das Kopfball-Ungeheuer bugsiert den Ball ins Netz. Zigmal haben Manfred Kaltz und Horst Hrubesch ihre durch Tore am Fließband berühmt gewordene Kooperation auf dem Fußball-Platz beim Hamburger SV vorgeführt - und damit sogar Uwe Seeler beeindruckt.

«Vor allem im Kopfballspiel war er ein Phänomen», sagte das HSV-Idol über Hrubesch, während Torwart-Teamkollege Uli Stein einst witzelte, der ,Lange' könne «wohl weiter köpfen als schießen». Sei's drum: Mit 96 Treffern steht Hrubesch hinter Seeler (177) und Thomas von Heesen (99) als Torjäger Nummer 3 in der HSV-Chronik zu Buche.

Im deutschen Fußball-Oberhaus war der Jubilar auch für Rot-Weiss Essen und Borussia Dortmund beschäftigt und brachte es auf insgesamt 136 Erstliga-Tore. Seine mit Abstand beste Zeit hatte der bullige Mittelstürmer jedoch im hohen Norden: Mit dem HSV wurde er 1979, 1982 und 1983 deutscher Meister und schaffte zur Krönung - mit ihm als Kapitän - 1983 den Triumph im Europapokal der Landesmeister. Stolz wie ein Löwe hielt Hrubesch damals den Champions-Pokal in die Höhe. 1981/82 wurde er darüber hinaus mit 27 «Buden» Liga-Torschützenkönig.

In der Hansestadt avancierte der im westfälischen Hamm geborene Angreifer auch zum Nationalspieler. In der DFB-Elf absolvierte er zwar nur 21 Länderspiele, trug aber maßgeblich dazu bei, dass Deutschland 1980 Europameister und 1982 Vize-Weltmeister wurde. Denn im EM-Finale gegen Belgien (2:1) war Hrubesch mit zwei Toren zum Matchwinner, beim Einzug ins WM-Endspiel zwei Jahre später traf er im Elfmeterschießen gegen Frankreich mit dem entscheidenden letzten Schuss zum 5:4. Der WM-Titel ging dann aber an Italien (1:3).

Nach seinem verletzungsbedingten Karriere-Ende versuchte sich der gelernte Fliesenleger, der in seiner Freizeit so gerne zum Angeln geht oder Pferde züchtet, als Trainer. Zunächst mit bescheidenem Erfolg in Essen, bei Dynamo Dresden, in Österreich oder der Türkei. Im Jahr 2000 ging er dann zum Deutschen Fußball-Bund (DFB), wo er bei der verkorksten Europameisterschaft Assistent von Erich Ribbeck war. Wie in seiner aktiven Karriere - dort gab er sein Bundesliga-Debüt erst mit 24 -, entpuppte er sich auch auf der Bank als Spätstarter.

Denn von sich reden machte Hrubesch erst Jahre später als Nachwuchs-Coach. So gewann er 2008 bei der Europameisterschaft mit der U 19 den ersten Nachwuchstitel für den DFB nach 16-jähriger Durststrecke. Ein Jahr später übernahm er interimsmäßig vom freigestellten Dieter Eilts die U 21 und führte auch sie zum EM-Triumph. Für die jungen Spieler war er dabei ein väterlicher Freund, der den Youngsters im Zweifelsfall aber auch deutlich die Meinung geigte.