Nordhorn (dpa) - Der erste Sieg seit 1995 gegen WM-Mitfavorit Finnland nährt Hoffnungen auf eine erneute deutsche Überraschung bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in der Slowakei.

Zwei Wochen vor dem WM-Beginn sieht Bundestrainer Uwe Krupp Deutschland nach dem 4:2-Erfolg in Nordhorn gegen den Weltranglisten-Vierten gerüstet für neue Heldentaten. «Diese Leistung macht Mut auf mehr», sagte Krupp nach dem Überraschungs-Coup.

Durch den sensationellen vierten Platz bei der Heim-WM im vergangenen Jahr und nun den Sieg gegen Angstgegner Finnland, gegen den man zuvor zehnmal in Serie verloren hatte, wachsen die Ansprüche auch bei den Spielern. «Wir kommen näher an die Top-Acht-Teams der Welt heran», befand NHL-Profi Korbinian Holzer aus Toronto. Der Verteidiger stand am Freitag zusammen mit Clubkamerad Marcel Müller erstmals in der Vorbereitung für Deutschland auf dem Eis und schoss in der 21. Minute prompt das Tor zur nicht für möglich gehaltenen 4:0-Führung.

2686 Zuschauern ließen die ausverkaufte Nordhorner Eissportarena erbeben. Krupp fühlte sich schon an das Eismärchen des Vorjahres erinnert: «Das hatte heute schon wieder WM-Charakter.» Den Finnen drohte nach den vorherigen Toren von Christoph Gawlik (7.), Philip Gogulla (10.) und Christoph Ullmann (11.) ein Debakel. Noch am Donnerstag beim 2:4 in Bremerhaven hatte Deutschland wie so oft gegen die Skandinavier die mangelnde Chancenverwertung zu schaffen gemacht, doch am Freitag brannte das Krupp-Team ein Offensiv-Feuerwerk ab.

«Das war das beste deutsche Team, das ich in den letzten Jahren gesehen habe», lobte auch Finnlands Coach Jukka Jalonen. Immerhin hielten Mikko Mäenpää (23.) und Jarkko Immonen (41.) das Ergebnis für den Favoriten noch erträglich. Mehr ließ die Defensive des zum großen Teil noch unerfahrenen deutschen Teams um Straubings Keeper Dimitri Pätzold, der zu Beginn noch unsicher gewesen war, aber nicht mehr zu.

Für Krupp war der Sieg, der Deutschland auch in der Testspiel-Serie Euro Hockey Challenge hinter die Top-Nationen Finnland, Schweden und Tschechien springen ließ, eine Initialzündung auf dem Weg zur WM. Seinem Team, das noch ohne die etablierten Kräfte der Top-3-Teams aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) - Wolfsburg, Düsseldorf und Berlin - auskommen musste, soll so auch gegen Vize-Weltmeister Russland im ersten WM-Spiel am 29. April nicht bange werden. «Bei fast jeder WM schaffen wir eine Überraschung», kündigte Krupp schon einmal an.