Washington (dpa) - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat Spekulationen über deutsche Pläne für eine Umschuldung Griechenlands scharf zurückgewiesen.

Zu einem entsprechenden Bericht der «Financial Times» sagte er am Samstag in Washington: «Die Berichte (...) entbehren jeder Grundlage.» Nach Angaben der «Financial Times» arbeitet die Bundesregierung an Modellen für eine «marktfreundliche» Umschuldung Griechenlands, sollte die Regierung in Athen ihre Sparziele verfehlen.

Danach könnte Geldgebern eine freiwillige Umstrukturierung angeboten werden mit Instrumenten, die zuvor vom Internationalen Währungsfonds (IWF) eingesetzt wurden. Berlin wolle Griechenland aber nicht zu einer solchen Umschuldung drängen, heißt es in dem Bericht.

Die Bundesregierung orientiert sich nach Darstellung des Blattes unter anderem an sogenannten Brady-Bonds. Diese Schuldverschreibungen wurden in den 1980er Jahren hauptsächlich durch lateinamerikanische Schuldnerländer herausgegeben.

Die Anleihebesitzer sollen ermuntert werden, riskante griechische Staatspapiere nahezu zum Marktpreis gegen sichere Papiere mit Garantien der Euro-Zone einzutauschen. Alternativ könnte der Euro-Rettungsfonds EFSF Anleihen abkaufen und diese dann tilgen oder ihre Laufzeit verlängern, schreibt die «Financial Times» weiter.

Schäuble war zuletzt mehrfach Spekulationen entgegengetreten, Berlin schließe eine Griechenland-Umschuldung nicht mehr aus. Zu Interpretationen nach einem Zeitungsinterview hatte Schäuble am Rande der IWF-Frühjahrstagung gesagt, die Schlussfolgerungen, die aus seinen Äußerungen gezogen würden, «sind ein wenig irrig».

In der Tageszeitung «Die Welt» hatte er zuvor darauf verwiesen, dass für weitere Hilfen an Athen der IWF, die Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Kommission die Schuldentragfähigkeit Griechenlands alle drei Monate bestätigen müssten. Im Juni stehe der nächste Bericht an. «Sollte dieser Bericht dann zum Schluss kommen, dass die Schuldentragfähigkeit in Zweifel zu ziehen sei, muss man etwas unternehmen», sagte Schäuble dem Blatt. «Dann müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden.»