Madrid (dpa) - Die Dominanz der Ballkünstler des FC Barcelona im spanischen Fußball ist gebrochen, Trainer José Mourinho erweist sich auch bei Real Madrid als Titelgarant. Mit einem 1:0-Sieg im Finale über den Erzrivalen Barça gewannen die Madrilenen erstmals seit 18 Jahren wieder den Pokal.

Damit holten die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Sami Khedira sich gleich im ersten Jahr bei Real den ersten Titel. Das Goldene Tor, das für die «Königlichen» dem Fluch in der Copa del Rey (Königspokal) ein Ende setzte, erzielte Cristiano Ronaldo per Kopfball in der Verlängerung. «Wir haben gezeigt, dass Barcelona schlagbar ist», sagte Özil der Nachrichtenagentur dpa. Das ist sei sein zweiter Pokal nach dem Gewinn des DFB-Pokals 2009 mit Werder Bremen. «Beide Pokale sind sehr schön. Ich bin glücklich, so kann es weiter gehen.» Das dramatische Pokalfinale in Valencia war der zweite Teil des diesjährigen «Klassiker»-Marathons.

König Juan Carlos überreichte Real-Kapitän Iker Casillas den Cup, aber vier Stunden später ging die Trophäe im Siegestaumel in die Brüche. Der Pokal glitt dem Verteidiger Sergio Ramos aus den Händen, als die frischgebackenen Pokalsieger in einem offenen Doppeldeckerbus durch Madrid fuhren. Er stürzte vom Oberdeck auf die Straße und wurde vom Bus überrollt. Der Pokal zerfiel nach Medienberichten in mehrere Stücke und konnte auch nicht auf der traditionellen Siegesparty am Madrider Cibeles-Brunnen von Kapitän Iker Casillas den Fans präsentiert werden.

Die «Königlichen» erhielten noch am Donnerstag eine Kopie. Der vom Fußballverband RFEF beauftragte Juwelier Federico Alegre sagte, es sei ungewiss, ob das Original noch repariert werden könne: «Wenn ein Pokal aus fünf Meter Höhe auf den Asphalt stürzt und unter einen Bus gerät, gestaltet sich eine Reparatur schwierig.»

Rund 50 000 Madrilenen hatten den Cupsiegern um 4.00 Uhr morgens trotz Regens einen begeisterten Empfang bereitet. «Die Königlichen erobern den Thron zurück», titelte die Zeitung «Público». Das Sportblatt «Marca» feierte den Schützen des Siegtreffers: «Cristiano ändert den Verlauf der Fußballgeschichte. CR7 steigt in den Himmel auf.» Zu Özil meinte Spaniens auflagenstärkste Zeitung: «Der Deutsche öffnete als erster die Abwehr der Katalanen. Aber sein Glanz reichte nur für drei Spielzüge.» Nach 70 Minuten wurde der Ex-Bremer ausgewechselt. Khedira absolvierte ein enormes Pensum im defensiven Mittelfeld, hatte nach der Pause aber Probleme mit dem stark aufspielenden Weltmeister Andrés Iniesta.

Die Katalanen sinnen nach der Niederlage auf Revanche in der Champions League. «Man kann nicht immer gewinnen, aber wir werden wieder auf die Beine kommen», meinte Barça-Trainer Josep Guardiola. Am kommenden Mittwoch stehen sich die beiden Erzrivalen im Halbfinale des europäischen Elite-Wettbewerbs erneut gegenüber.

Barça hatte am 16. April in Madrid zum Auftakt der Serie von vier «Klassikern» ein 1:1 erreicht und sich damit die spanische Meisterschaft fast gesichert. «Nach Reals Pokalsieg wird das Halbfinale der Champions League nun entscheiden, wer im spanischen Fußball die Nummer 1 ist», meinte Barças Ex-Trainer Johan Cruyff.