Stuttgart (dpa) - Beim Hamburger SV wurde er vor einem Jahr entlassen. Beim VfB Stuttgart fehlt ihm dagegen nicht mehr viel, um als Retter gefeiert zu werden. Wenn Bruno Labbadia mit seinem neuen Verein auf seinen alten trifft, steht dabei in erster Linie der Klassenverbleib des VfB auf dem Spiel.

Für ihn persönlich geht es in diesem Saisonendspurt aber immer noch um seinen Ruf als Trainer. Sollte er die Stuttgarter vor dem Abstieg bewahren, wäre der in Hamburg und Leverkusen erlittene Imageschaden mehr als behoben. Sollte seine Rettungsaktion aber noch schiefgehen, dürfte er in der Fußball-Bundesliga erst einmal als gescheitert gelten.

«Ich habe das abgehakt. Wir sind heiß - aber nicht, weil es gegen den HSV geht», sagt Labbadia über seine Hamburger Zeit. «Der Abschied lag nicht an mir. Wir standen im Halbfinale der Europa League und damit vor dem größten Triumph der Vereinsgeschichte seit 26 Jahren. Mit der Trennung ist beiderseits eine große Chance verspielt worden.»

Der 45-Jährige überspielt im Rückblick ein wenig, dass er am 26. April 2010 beim HSV nicht seiner sportlichen Bilanz wegen gefeuert wurde, sondern weil sein Verhältnis zur Mannschaft am Ende ähnlich belastet war wie ein Jahr zuvor in Leverkusen. Er sei zu fordernd, zu verbissen und wolle einen Weltstar wie Ruud van Nistelrooy genauso behandeln wie das Talent Tunay Torun, hieß es. In Leverkusen nützte es Labbadia auch nichts, den Verein ins Pokalfinale geführt zu haben.

Beim VfB hört man nun ganz andere Töne über den ehrgeizigen und akribischen Coach. «Bei ihm weiß jeder ganz genau, was er zu tun und wie er zu laufen hat», lobte Nationalstürmer Cacau schon nach wenigen Wochen. Zdravko Kuzmanovic betont, «dass wir unter ihm viel kompakter und aggressiver spielen und endlich 90 Minuten Gas geben können». Auch Christian Träsch schreibt dem Trainer einen «sehr großen Anteil» am Stuttgarter Aufschwung zu: «Jeder weiß, dass die Fitness bei uns nicht gestimmt hat. Er hat uns klargemacht, was wir tun müssen.»

Labbadia hat beim VfB in nur vier Monaten vieles bewirkt. Unter ihm holte der Verein in nur 14 Partien fast doppelt so viele Punkte (21) wie unter seinen Vorgängern Christian Gross und Jens Keller zuvor in 16 Spielen (12). Dazu hat er Profis wie Kuzmanovic, Khalid Boulahrouz oder Pawel Pogrebnjak erfolgreich aus der Versenkung geholt und seiner Mannschaft um den neuen Spielmacher Tamas Hajnal herum ein 4-2-3-1-System verordnet, das ihr sichtlich gut bekommt.

«Wir haben einen klaren Plan.» Das betonen Labbadia und sein Assistent Eddy Sözer beim VfB seit dem ersten Tag. Der ehemalige Torjäger nahm sich nach seinem Scheitern beim HSV die Zeit, seine Arbeit dort im Gespräch mit gleich mehreren Experten und Beratern kritisch zu hinterfragen. In einer derart von Eitelkeiten geprägten Branche ist das keine Selbstverständlichkeit.