Gelsenkirchen (dpa) - Trainer Ralf Rangnick steht in seiner zweiten Amtszeit bei Schalke 04 vor großen Herausforderungen: Er muss Strukturen schaffen, die kontinuierliche Wirkung zeitigen sollen. Als Vorbild könnte sein einstiges Wirken im Nachwuchsbereich des VfB Stuttgart dienen.

Das königsblaue Emblem mit dem weißen «S04» hat unbestritten eine ganz andere Strahlkraft als die Abzeichen von Viktoria Backnang, des TSV Lippoldsweiler oder des SC Korb: Bei diesen drei Vereinen aus seiner württembergischen Heimat absolvierte Ralf Rangnick einen Teil der Lehrjahre als Fußball-Trainer. Längst vergangene Zeiten, schöne Erinnerungen möglicherweise - aber mit dem Status quo des mittlerweile 52 Jahre alten «Professors» hat dies nichts mehr gemein.

Rangnick ist längst etabliert im großen Business der «schönsten Nebensache der Welt». Dort, wo er heute arbeitet, geht es um viele Millionen und nicht um die Portokasse. Bei 1899 Hoffenheim stellte der milliardenschwere Unternehmer Dietmar Hopp Rangnicks Wirken auf derart stabile finanzielle Beine, dass den Kraichgauern der Durchmarsch aus der Regionalliga in die Beletage des deutschen Fußballs gelang.

Auch das sind vergangene Zeiten, man legte sich an, überwarf sich - und schied nicht im Frieden. Als Hoffenheim Luiz Gustavo gegen Rangnicks Widerstand zu Bayern München verkaufte, war die Trennung nicht mehr zu umgehen: Am Neujahrstag 2011 registrierte die Bundesliga das Ende der Ära Rangnick/Hoffenheim.

Doch für den ehrgeizigen Fußball-Lehrer, der als überaus akribisch gilt, ging das Jahr spektakulär weiter. Im März überschlugen sich die Ereignisse: Schalke 04, zwischen September 2004 und Dezember 2005 schon einmal Arbeitgeber Rangnicks, trennte sich von Felix Magath, holte Rangnick zurück, stattete ihn gar mit einem Langzeitkontrakt bis 2014 aus - durchaus überraschend nach der berühmten Rangnick-Ehrenrunde, die im Winter 2005 für den damaligen Schalke-Manager Rudi Assauer letzter Anlass zur Zwangsdemission des Trainers war.

Assauer ist längst weg, Rangnick wieder da. Nach 1925 Tagen leitete er am 21. März erstmals wieder das Training bei dem Verein, dessen «Seele er kennt», wie Schalke-Sportvorstand Horst Heldt die emotionalen Bande zwischen Coach und Verein treffend umschrieb. Rangnick, wohl wissend um die vielen Irrungen und Wirrungen «auf Schalke», appellierte unmittelbar an die Gemeinsamkeit aller, an das Zusammenstehen - und das kam gut an bei denen, die Magaths «Alleinherrschaft» nicht für gut befanden.

Das sportliche Magath-Erbe war für Rangnick zweigeteilt: Die Ligasaison war längst unter der Rubrik «völlig verkorkst» abzuhaken, in der Champions League standen die «Knappen» im Viertelfinale, im DFB-Pokal hatten sie mit einem 1:0 bei Titelverteidiger Bayern München das Endspiel erreicht - willkommene Basisresultate für das, was Rangnick jetzt in seiner zweiten Gelsenkirchener Amtszeit leisten soll: ein kontinuierliches «Aufbauprogramm Schalke» mit den Schwerpunkten Jugendkonzept, moderne Spielphilosophie der Profimannschaft, Schaffen einer langfristig bestehenden sportlichen Einheit.