Recklinghausen (dpa) - «Kultur für alle» - das bleibt die Maxime der Ruhrfestspiele Recklinghausen vom 1. Mai bis zum 12. Juni. Festivalleiter Frank Hoffmann bietet im diesjährigen Programm jedem etwas.

Die Tradition wird mit einem Schiller-Schwerpunkt («Die Räuber», «Don Carlos», «Kabale und Liebe») gepflegt. Das neue junge Theater bekommt in diesem Jahr zum ersten Mal ein eigenes kleines Festival der Uraufführungen.

Die Ruhrfestspiele sehen sich ähnlich wie das renommierte Festival d'Avignon in Frankreich in der Volkstheatertradition, die dem zeitgenössischen Theater besonders aufgeschlossen gegenüber steht. Außerdem sollen Uraufführungen das Profil der Ruhrfestspiele schärfen. Hoffmann arbeitet dafür mit anderen Bühnen zusammen - die meisten Premieren sind Koproduktionen.

Der Festivalchef leitet neben den Ruhrfestspielen auch das Théâtre National du Luxembourg und hat mit seiner Bühne «Aufstand» von Albert Ostermaier erarbeitet - die Uraufführung dürfte wegen des sprachmächtigen Dramatikers Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Weitere sechs Uraufführungen kommen hinzu - die meisten aus Hamburg.

Das hängt mit der Geschichte der Ruhrfestspiele zusammen: Nach der Gründungslegende kamen nach dem Krieg im Winter 1946/47 Künstler aus Hamburg ins Ruhrgebiet und baten Bergleute um Kohle. Die Theater waren eiskalt, das Publikum fror erbärmlich. Die Kumpel «organisierten» an den Besatzern vorbei das schwarze Gold, die Künstler konnten heizen - und vergaßen die Bergleute nicht. Im Mai kehrten sie nach Recklinghausen zurück und bedankten sich bei den Arbeitern und deren Familien mit Gastspielen.

Noch heute ist einer der Träger der Festspiele der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Die Beziehungen Recklinghausen/Hamburg werden sorgfältig gepflegt. In diesem Jahr kommen das Deutsche Schauspielhaus mit Philipp Löhles «Das Ding» und das St. Pauli Theater mit Ulrich Zaums «Monsterballade» nach Recklinghausen.

Das Programm beginnt traditionsgemäß am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, mit einem «Kulturvolksfest» in Recklinghausen. Auftakt des künstlerischen Programms sind dann am 3. Mai «The Giacomo Variations» mit John Malkovich in der Rolle des Casanova.