Neumarkt/Opf. (dpa) - Der schwer gebeutelte Holzverarbeiter Pfleiderer ist im Kampf um seine Rettung einen weiteren Schritt vorangekommen.

Das Unternehmen verschickte nach monatelangen Verhandlungen die vorläufigen Verträge für den finanziellen Umbau des hoch verschuldeten Konzerns an seine Gläubiger, wie Pfleiderer am Dienstag in Neumarkt mitteilte. Der Plan soll den Konzern entschulden und das von Verlusten fast aufgezehrte Eigenkapital wieder auffüllen - danach würden die Gläubiger das Sagen bei den Oberpfälzern haben.

Nun müssen die Banken den Plänen noch zustimmen - und damit auf 40 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Allein bei den Bankkrediten dürfte sich die Summe auf deutlich mehr als 300 Millionen Euro belaufen, hieß es in Finanzkreisen. Im Gegenzug bekäme der Konzern unter anderem zusätzliche Kredite von 100 Millionen Euro. Bei den Gläubigern handelt es sich um Banken und Hedgefonds, die Kredite in dreistelliger Millionenhöhe von den Banken übernommen haben.

Geht der Plan auf, würden die Gläubiger rund 80 Prozent der Anteile halten und damit Pfleiderer kontrollieren. Zugleich soll mit diesem massiven Kapitalschnitt der Anteil der Altaktionäre auf rund ein Prozent begrenzt werden. In einem weiteren Schritt ist eine Kapitalerhöhung von bis zu 100 Millionen Euro geplant. Dabei sollen die Altaktionäre ihren Anteil wieder erhöhen können - auf maximal 16 Prozent. Die restlichen 4 Prozent würden die Inhaber einer 2007 ausgegebenen sogenannten Hybridanleihe halten.

«Die Angaben sind vorläufig und vorbehaltlich der Zustimmung durch die Gläubiger und der Unterzeichnung der entsprechenden Verträge, was bis Mitte Mai 2011 erwartet wird», heißt es in der Mitteilung. Änderungen an den Plänen könnten nicht ausgeschlossen werden. Bereits bei einer außerordentlichen Hauptversammlung Anfang April in Berlin hatte der Vorstand die Restrukturierung in groben Zügen vorgestellt. Bei einer weiteren Aktionärsversammlung in der zweiten Julihälfte sollen die Maßnahmen dann beschlossen werden.

Nach einem umstrittenen Expansionskurs insbesondere in Nordamerika musste Pfleiderer 2010 einen existenzbedrohlichen Verlust von 345 Millionen Euro verkraften. Die Aktien brachen auf einen Wert von zuletzt gerade einmal 73 Cent ein - das 52-Wochen-Hoch der Papiere betrug 5,42 Euro.

Aus Aktionärskreisen droht dem Pfleiderer-Vorstand Widerstand, eine erste Klage ist nach Angaben des Düsseldorfer Rechtsanwalts Peter Dreier beim Landgericht Nürnberg-Fürth schon eingereicht worden - allerdings nicht gegen das Rettungskonzept. Dreier wirft Pfleiderer-Vorstandschef Hans Overdiek vor, die Anteilseigner verspätet über die Lage des Unternehmens informiert zu haben. Ein Pfleiderer-Sprecher wies den Vorwurf der gezielten Falschinformation scharf zurück.