Rom/Berlin (dpa) - Die Aussichten des italienischen Notenbankchefs Mario Draghi auf den Chefposten der Europäischen Zentralbank (EZB) sind weiter gestiegen. Am Dienstag stellte sich der französische Präsident Nicolas Sarkozy hinter eine Kandidatur des 63 Jahre alten Südeuropäers.

«Wir unterstützen die Kandidatur eines Italieners, nicht etwa weil er Italiener ist, sondern weil er ein guter Mann ist», sagte Sarkozy auf einem bilateralen Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in Rom.

Der amtierende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird nach acht Jahren an der Spitze der Notenbank Ende Oktober turnusmäßig ausscheiden. Die Staats- und Regierungschefs der EU müssen bei ihrem nächsten Gipfel am 24. Juni in Brüssel über die Spitzenpersonalie entscheiden. Draghi gilt inzwischen als eindeutiger Favorit.

Die Bundesregierung legt sich weiter nicht öffentlich auf einen Kandidaten fest. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte am Dienstag: «Die Entscheidung über den nächsten EZB-Präsidenten fällt der Europäische Rat im Juni. Die Bundesregierung wird sich rechtzeitig zu einem möglichen Kandidaten äußern.» Ursprünglich hatte Deutschland erwogen, mit Bundesbank-Chef Axel Weber selbst einen Kandidaten aufzustellen. Weber kündigte aber überraschend seinen Rückzug als Bundesbank-Chef zum 30. April an und gab damit auch eine mögliche Perspektive als EZB-Chef auf.

Einen anderen deutschen Kandidaten gibt es bisher nicht. Sollte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen neuen Namen - zum Beispiel auch einen anderen Notenbankchef - ins Rennen schicken, würde sie nun eine Konfrontation mit Sarkozy heraufbeschwören. Als problematisch galt in Berlin bisher, dass Draghi aus einem hochverschuldeten Euro-Land stammt. Italien gilt zwar bisher nicht als Kandidat für Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm, ist jedoch auch weit davon entfernt, ein «Musterschüler» wie Deutschland zu sein.

Draghi leitet die italienische Notenbank seit 2006. Der passionierte Bergsteiger ist ehrgeizig und international in der Finanzwelt hoch angesehen. Von 1984 bis 1990 war er Exekutivdirektor der Weltbank und damals auch als Professor in Florenz tätig. Als Vizepräsident von Goldman Sachs in London erwarb er vor der Rückkehr nach Rom den Spitznamen «Super-Mario». Um einen Interessenkonflikt zu vermeiden, verkaufte er seine Goldman-Sachs-Anteile, als er das Chefamt der Banca d'Italia am Tiber übernahm.

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