Berlin (dpa) - Bei der Kabinen-Party entstand der nächste Schwur. «Jetzt wollen wir auch die Meisterschaft möglichst schnell sattelfest machen», erklärte der Ex-Münchner Christian Lell, der von früheren Bayern-Triumphen eigentlich ausgelassenere Feiern und größere Gläser gewöhnt ist.

«Wir hatten auf dem Platz nur kleine Flaschen», berichtete Hertha-Verteidiger Lell von der Bierdusche für jenen Mann, der im ganzen Aufstiegs-Trubel noch am kühlsten blieb: Trainer Babbel. «Auch Markus Babbel ist ein großes Risiko eingegangen. Was er als Spieler und Trainer zuvor gezeigt hat, wussten wir. Aber Berlin ist ein spezielles Pflaster. Er hat einen hervorragend Job gemacht», lobte Manager Michael Preetz den wichtigsten Aufstiegs-Macher.

Babbel (38), 51-maliger Nationalspieler, gestählt beim FC Bayern und FC Liverpool, hat Hertha BSC nach einem Jahr Zweitliga-Qualen zurück ins deutsche Fußball-Oberhaus geführt. «Es war kein Risiko, ich war total überzeugt von der Aufgabe. Es gab kein Rumgeeiere, sondern klare Aussagen - das hat mir gefallen», urteilte Babbel über seinen ersten Erfolg auf seiner zweiten Trainerstation. «Wir haben es geschafft, eine gute Mischung herzustellen. Charakterlich hat alles zusammen gepasst», betonte der Chefcoach.

Für die Nacht nach dem perfekt gemachten Wiederaufstieg, die Hertha in einem Hotel in Oberhausen verbrachte, gab Babbel eine klare Linie vor. «Jetzt müssen wir es einfach genießen. Unabhängig von den drei Spielen, die wir noch ordentlich über die Bühne bringen wollen, sollen sich die Spieler freuen. Dafür müssen sie sich nicht ausgelassen besaufen», betonte Babbel mit Hinweis auf das Restprogramm in der 2. Liga. «Wichtig ist jetzt: Fokussieren, Profi sein.»

«Wir wissen, dass wir am Freitag gegen 1860 München wieder spielen. Das ist auch kein leichtes Spiel. Wir müssen uns ein bisschen am Riemen reißen», erklärte Jungstar Pierre-Michel Lasogga zur offiziellen Vorgabe seines Chefs. Mit einem 1:0-Sieg beim MSV Duisburg, den der Kolumbianer Adrian Ramos am Ostermontag mit seinem 14. Saisontor perfekt gemacht hatte, konnte Hertha schon drei Spieltage vor Saisonende den Betriebsunfall Abstieg bereinigen. «Wir haben nie daran gezweifelt. In der Rückrunde haben wir Charakter gezeigt. Jeder hat kapiert, worum es geht», unterstrich Kapitän Andre Mijatovic.

Am Dienstag um 12.00 Uhr wird das Team am Flughafen Tegel erwartet. Spätestens beim Training um 13.30 Uhr wird sich zeigen, ob sich jeder Profi an die Feierauflagen des Trainers gehalten hat. Doch auch bei kleinere Überschreitungen dürfte es keine Schelte geben. «Wir haben alle gemeinsam in der Saison einen guten Job gemacht», erklärte Manager Preetz, der nun die 1. Liga planen kann.