Berlin (dpa) - Junge Männer mit struppigen Bärten, die im perfekten Harmoniegesang die süffigsten Melodien seit den goldenen Zeiten von Simon & Garfunkel oder den Beach Boys schmetterten: Als die Fleet Foxes vor drei Jahren die Szene betraten, war die Begeisterung riesig.

Das Debüt des Quintetts aus Seattle verkaufte sich millionenfach, es hagelte Lob und Auszeichnungen für diese von Herzen kommende, zu Herzen gehende Hippie-Musik, die sogleich viele (meist bärtige) Nachahmer in der «Beardo»-Bewegung fand.

Die bange Frage bei Fans und Kritikern lautete seitdem: Was soll von den Fleet Foxes nach diesem künstlerischen und kommerziellen Triumph noch kommen? «Helplessness Blues», das zweite Album, liefert eine beruhigende Antwort: Im besten Sinne mehr vom Bewährten - vielleicht etwas weniger sensationell als beim Folkrock-Urknall des Debüts, dafür im Detail noch ausgereifter, epischer, auch mutiger. Jedenfalls hört man dieser Platte nicht an, dass sie eine schwere Geburt war.

«Es gab eine Menge Dinge, die nicht rund liefen. Wir waren mit vielen Details nicht so glücklich», sagte Fleet-Foxes-Sänger Robin Pecknold (25) der Deutschen Presse-Agentur im Rückblick auf die mühevolle Entstehung des Albums. «Wir mussten einige Songs ganz neu aufnehmen, das warf uns immer wieder zurück.» Ursprünglich hatte die Band gehofft, schon im Herbst 2008 mit den Arbeiten am zweiten Album beginnen zu können und schnell fertig zu werden. Dann kamen der Erfolg und mehrere Tourneen dazwischen, aber auch Krankheiten und kreative Zweifel.

Der Druck lastete also schwer auf der inzwischen sechsköpfigen Band. Doch letztlich ließen sich Songschreiber Pecknold und sein bester Freund seit Kinderzeiten, der Gitarrist und zweite Band-Boss Skye Skjelset, nicht von ihrem Kurs abbringen - die Musik der Sixties mit modernen Mitteln wieder auferstehen zu lassen und so auf ihre Art zu würdigen.

«Wir haben uns nie hingesetzt und überlegt, wie wir den Sound radikal verändern können», erzählt Pecknold, dessen kraftvolle Tenorstimme die zwölf Songs von «Helplessness Blues» wieder entscheidend prägt. Zwar gibt es auch auf Album Nummer zwei schlichten Gitarrenfolk zu hören (das neoklassische «The Cascades» oder «Blue Spotted Tail»), in ausufernden, reich instrumentierten Liedern wie «The Plains/Bitter Dancer» oder dem Titelsong wird die Palette jedoch deutlich bunter.

Vor allem das achtminütige «The Shrine/An Argument» dürfte manchen Fan der rustikalen Fleet Foxes des Jahres 2008 zunächst verstören: Eine bewährt schöne Folkpop-Harmonie wird nach einigen Minuten mit einem wilden, schrägen Klarinettensolo in Free-Jazz-Gefilde überführt, um dann wieder im Wohlklang sanft zu verebben. «Wir wollten mal was Verrücktes machen, hier haben wir uns vom Jazz-Genie John Coltrane beeinflussen lassen», sagt Pecknold lachend im dpa-Interview.